ÖFB-Teamchef Ralph Rangnick (64) öffnete in Innsbruck bei der Tagung der österreichischen Sportjournalisten sein Trainerherz und plauderte fast eine Matchzeit lang über seine Gedanken.
Ralph Rangnick (64) - der Teamchef in Plauderlaune. Vor den versammelten österreichischen Sportjournalisten („sports media austria“) gab der Deutsche Einblick in seine Trainer-Welt.
Rangnick über ...
EUPHORIE: Wir brauchen die Unterstützung. Ohne Hilfe des Publikums hätten wir das Match gegen Estland nicht gedreht. Und es ist wichtig, dass wir das ganze Land hinter das ÖFB-Team bringen. Bei der WM in Katar hat man bei Marokko und Argentinien gespürt, dass sie auf einer Mission waren. So eine Atmosphäre wünsche ich mir hier auch. Die Initialzündung muss von uns kommen, klar. Aber es wird: Für das Schweden-Match sind schon 25.000 Karten weg. Fast acht Wochen davor ist das viel.
BELGIEN: Mit dem Ausscheiden bei der WM war mir klar, dass es bei unserem Quali-Gegner zu einem Umbruch kommen wird. Schade - mit den alten Spielern wäre die Aufgabe für uns angenehmer gewesen. Belgien ist nach wie vor top besetzt - und die Deutschen haben uns gezeigt, wie man nicht gegen sie spielen sollte.
TEAMSPIELER: Seit der Jahrtausendwende hat sich Fußball zu einer anderen Sportart entwickelt. Wenn ich mir Spiele von damals ansehe, möchte ich am liebsten von Slow-Mo auf Tempo stellen. Die Anforderungen haben sich sehr geändert. Die Spieler sollten technisch sehr gut und sehr schnell sein. Und das nicht nur zwei, dreimal pro Halbzeit. Zudem braucht’s eine Mentalität, dass jeder Spieler jeden Tag besser sein will. Mit jedem einzelnen Training.
FANS: Man muss schon aufpassen, dass die Nähe zu den Fans nicht verloren geht, dass die Schere nicht noch weiter aufgeht. Deshalb haben wir zuletzt auch ein öffentliches Training gemacht. Ja, wir haben unsere Arbeit, brauchen unsere Ruhe, aber wir wollen ein Nationalteam zum Anfassen bleiben. Die Menschen sollen merken: He, der David Alaba, der Konny Laimer, der Michael Gregoritsch - das sind normale Menschen.
GELD: Mit 40 Jahren Berufserfahrung als Trainer kann ich eines sagen - und da können sie die besten Spieler der Welt fragen. Mbappé, Haaland, Messi, Ronaldo - Geld war und ist nicht der größte Motivator, sondern Erfolg zu haben.
EMPATHIE: Die Kunst als Teamtrainer besteht darin, mit Spielern in Kontakt zu stehen, die man nur alle drei, vier Monate sieht. Wir haben zu Weihnachten jedem Teamspieler persönliche Messages geschrieben, 32 Whatsapps - und binnen drei, vier Tagen hat jeder Einzelne mit einer persönlichen Nachricht geantwortet. Ich will das Gefühl vermitteln, dass bei mir jeder Wertschätzung genießt.
REGELN: Ja, nach meinem ersten Spiel als Spieler/Trainer habe ich nach einem 5:1-Sieg die Bierkiste aus der Kabine geschmissen. Ich hatte die Regel so ausgegeben. Würde ich heute nicht mehr so machen, aber es braucht Konsequenz und Liebe - wie in einer Familie.
SPRACHE: Ich dachte bei Amtsantritt, dass wir dieselbe Sprache reden. Nun, ich wurde inzwischen belehrt, dass es da große Unterschiede gibt. Stanglpass, Gurkerl. Aber ich komme ganz gut zurecht.








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