Mi, 21. November 2018

Vertuschung

16.09.2011 12:43

Missbrauchsopfer klagen Papst vor Haager Gerichtshof

US-amerikanische Aktivisten haben am Freitag in Wien bestätigt, Klage gegen den Vatikan und namentlich gegen Papst Benedikt XVI. am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eingereicht zu haben. Dem Vatikan werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die systematische Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen. Die amerikanischen Missbrauchsopfer befinden sich derzeit auf einer Info-Tour durch Europa.

"Tausende Seiten von Beweismaterial über sexuelle Gewalt, Vergewaltigung und Folter durch Mitglieder des römisch-katholischen Klerus brachten uns zu dem Schluss, dass ein systematischer Angriff auf Kinder und verletzliche Erwachsene seit Jahrzehnten vor sich geht", so Katherine Gallagher, Anwältin der Menschenrechtsorganisation "Center for Constitutional Rights". Durch die Vorfälle unter anderem in Großbritannien, Deutschland, Belgien, Kanada und den USA habe festgestellt werden können, dass derartige Taten weit verbreitet sind.

Durch die genauere Untersuchung zahlreicher Fälle seien Muster der Vertuschung, Versetzung von missbrauchenden Priestern, der Behinderung der Justiz, der Zerstörung von Beweismaterial und der systematischen Beschuldigung der Opfer sichtbar geworden, so Gallagher. Papst Benedikt XVI., werde vorgeworfen, dass er zu seinen Zeiten als Kardinal Joseph Ratzinger vorsätzlich die katholische Kirche und nicht die betroffenen Kinder geschützt habe - trotz Kenntnis über die Missbrauchsvorfälle.

"Wir Opfer haben alles versucht"
"Wir Opfer haben alles versucht, um die Zuständigen des Vatikan dazu zu bringen, die Struktur, die die Vergewaltigung und den Missbrauch durch Bischöfe und Nonnen in der römisch-katholischen Kirche von über 10.000 Kindern zulässt, zu ändern", so Barbara Blaine, Präsidentin des Missbrauchsopferverbandes "Survivors Network of those Abused by Priests" (SNAP). Bisher habe die Kirche keine Schritte in diese Richtung unternommen, außer wenn sie durch äußere Umstände - zum Beispiel Untersuchungen von Journalisten oder durch Betroffene, die an die Öffentlichkeit gingen - dazu gezwungen worden sei.

"Uns ist kein einziger Fall weltweit bekannt, in dem die Bischöfe einen Priester, der Kinder sexuell missbrauchte, aus seiner Position entfernt hätten", sagte Blaine. In Folge dieser Umstände kam es zu der Erarbeitung des Dossiers, das nun dem Internationalen Strafgerichtshof vorliegt. Bei der Übergabe der Beschwerde sei den Aktivisten die "sehr genaue Überprüfung" der Klage zugesichert worden.

Rechtsexperte gibt Klage nur geringe Chance
Ein zum Thema befragter Rechtsexperten gibt der Klage unterdessen nur eine geringe Chance. Er halte eine Anklageerhebung für "unrealistisch", sagte der Wiener Völkerrechtler Stephan Wittich am Freitag auf Anfrage von Kathpress. Der Jurist sieht den angezeigten Straftatbestand als "nicht wirklich erfüllt" an.

Zudem sei fraglich, ob eine zeitliche Zuständigkeit des Gerichtshofs bestehe. Verbrechen, die vor dem 1. Juli 2002 begangen wurden, fallen nicht in die Kompetenz des Internationalen Strafgerichtshofs. Wittich sieht in der Beschwerde daher vor allem ein "Vehikel", um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche im öffentlichen Bewusstsein zu halten.

Aktionen bei Papstbesuch in Deutschland geplant
Viel Aufsehen versprechen sich die Aktivisten auch durch Aktionen während des Papstbesuches in Deutschland in der kommenden Woche.

Derzeit führt SNAP eine europäische Kampagne gegen Pädophilie in zehn Hauptstädten durch. Mit dieser Initiative wollen Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche eine europaweite Sensibilisierungskampagne zum Schutz von Kindern beginnen. Sie wollen außerdem in katholischen Kreisen eine offene Diskussion über das Problem anregen und weitere Opfer anspornen, ihren Fall anzuzeigen, hieß es. Die Kampagne geht am 20. September mit einer Pressekonferenz in Rom zu Ende.

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