Do, 16. August 2018

Vorstoß von Orban

12.09.2011 12:01

Ungarn-Kredittrick kostet Österreichs Banken Milliarden

Hektische Verhandlungen hinter verschlossenen Türen sollen noch das Ärgste verhindern: Ungarns Regierung unter Premier Viktor Orban (Bild) plant, durch einen Kredittrick den schwer verschuldeten ungarischen Häuslbauern ein Viertel der Rückzahlung zu ersparen - und zwar auf Kosten der ausländischen, vor allem der österreichischen Banken (Raiffeisen International, Erste Group). Diese würde der ungarische Trick Milliarden kosten.

Jetzt zittert die Finanzwelt vor einer neuen Bankenkrise in Europa. Denn das schlechte Beispiel Ungarns könnte auch von anderen Ländern (z.B. Rumänien) übernommen werden. Dann droht ein gefährlicher Domino-Effekt, letztlich könnten wieder die Steuerzahler zur Rettung der Banken herangezogen werden.

Die dramatischen Ereignisse im Klartext: Millionen ungarischer Häuslbauer haben sich jahrelang in Franken-Krediten (vor allem bei österreichischen Banken in Ungarn) verschuldet, weil da die Zinsen sehr niedrig waren. Jetzt, wo der Franken immer teurer (und der Forint immer schwächer) wurde, können sie ihre Darlehen nicht mehr zurückzahlen. Daher wurde mit den Banken schon ein vierjähriges "Moratorium" ausgehandelt, um den Kreditnehmern Luft zu verschaffen.

Orban will Wechselkurs willkürlich festlegen
Ungarns Regierungschef Orban will aber noch einen Schritt weiter gehen: Er will den Wechselkurs des Franken zum Forint willkürlich festlegen - und zwar rund 25 Prozent weg vom aktuellen Wert! Dies würde den Kreditnehmern viel Geld ersparen, ginge aber dramatisch zu Lasten vor allem der österreichischen Banken.

Diese wurden schon von der neuen ungarischen Bankensteuer schwer getroffen (je Institut über 40 Millionen Euro), dann kam das Moratorium bei den Fremdwährungskrediten - und jetzt sollen sie auch noch ein Viertel der Außenstände endgültig abschreiben müssen.

Banken noch zurückhaltend
Die Banken wollten sich Montagmittag vorerst nicht zu den Plänen der Regierung Orban äußern und verwiesen auf die noch unklare Nachrichtenlage. Die Erste Group hat nach eigenen Angaben in Ungarn drei Milliarden in Schweizer Franken vergeben, das Gesamtkreditvolumen beläuft sich auf 134 Milliarden Euro.

Michael Palzer, Sprecher der Raiffeisenbank International (RBI), erklärte: "Unsere Privatkundenkredite in Schweizer Franken belaufen sich in der gesamten Region auf 3,4 Milliarden Euro." Das entspreche 4,3 Prozent des Gesamtkreditportfolios der Bank. Details zu allen betroffenen Fremdwährungskrediten der beiden Banken in Ungarn waren zunächst nicht zu erhalten.

Kurse von Erste Group und RBI brachen ein
Jedenfalls hat die Ankündigung der ungarischen Regierung am Montag zu einem erneuten Banken-Kursrutsch an der Börse beigetragen. Die Anteilsscheine der stark in Osteuropa engagierten Raiffeisen International und der Erste Group brachen in Wien in einem sehr schwachen Umfeld bis kurz nach 11.15 Uhr um 6,5 bzw. 7,6 Prozent ein. Der ATX lag zu dem Zeitpunkt 4,0 Prozent im Minus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.