„Nicht das erste Mal“

Weinviertler Stromhelden holen Berlin aus Blackout

Ausland
07.01.2026 19:00

Nach dem tagelangen Blackout brachte Know-how aus dem Weinviertel Hilfe – dort, wo andere nicht mehr weiterwussten. Während ganz Deutschland über Krisenpläne diskutierte, fuhren zwei Techniker aus dem Weinviertel los. Der Auftrag: eine Kabelverbindung herstellen, die sonst kaum jemand beherrscht.

Die Experten der Firma ETN Energie- und Telecom Netze GmbH aus Spillern gelten als die Feuerwehr der Stromwelt – und das zurecht. Nachdem ein Brandanschlag die Versorgung im Südwesten der deutschen Hauptstadt lahmgelegt hatte, grübelten Einsatzstäbe noch über Alternativen, während das Team aus Spillern bei Korneuburg längst den Überblick hatte. Gegen 11 Uhr am Mittwoch lief die Versorgung wieder – auch dank Hilfe aus Niederösterreich.

Als ganz Deutschland noch rätselte
„Es ist ja nicht das erste Mal, dass uns Berlin zu Hilfe ruft“, erklärt Geschäftsführer Armin Grasel. „Wir montieren öfter für Stromnetz Berlin.“ Die Frage, die sich viele stellten: Warum kam die Hilfe ausgerechnet aus Österreich?

Nach dem Anschlag: Techniker arbeiten unterirdisch, um die Versorgung wiederherzustellen.
Nach dem Anschlag: Techniker arbeiten unterirdisch, um die Versorgung wiederherzustellen.(Bild: EPA/HANNIBAL HANSCHKE)
Unter anderem wurde auch hier repariert – unter Hochspannung und Zeitdruck.
Unter anderem wurde auch hier repariert – unter Hochspannung und Zeitdruck.(Bild: AFP/ODD ANDERSEN)

Die Spannungsebene? 110kV, also über 100.000 Volt. Stromstärke, wie sie für ganze Stadtteile nötig ist. „Es mussten alte Niederdruck-Ölkabel mit neuen XLPE-Kabeln verbunden werden. In diesem Spezialbereich gibt es nur noch eine Handvoll Experten in Europa“, verrät Grasel. „Sechs davon arbeiten bei ETN. Und überhaupt sind wir österreichweit die einzige Firma. In Deutschland gibt es vielleicht noch zwei oder drei.“

(Bild: ETN Elektrotechnik GmbH)

Samstag kam der Anruf, Sonntag wurde gepackt, Montag in der Früh saßen schon zwei Techniker im Auto Richtung Deutschland. Zwei Mann, keine Show, aber mit einem klaren Ziel: wieder in Gang bringen, was da zusammengebrochen war. Unter Hochdruck und medialer Aufmerksamkeit.

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Man muss sagen, dass auf dieser Spannungsebene jede Montage heikel ist. Aber unsere Profis sind routiniert genug, um diesen Arbeitsdruck auszublenden.

Armin Grasel, Geschäftsführer ETN

„Zugegebenermaßen waren die Arbeitsbedingungen super – Stromnetz Berlin hat alles perfekt vorbereitet“, verrät Joachim Sauer kurz darauf von vor Ort. „Der Zusammenhalt auf der Baustelle war großartig“, erzählt er. Einen hohen Arbeitsdruck sind sein Kollege Patrick Adamek und er mittlerweile gewohnt – aber diesmal waren alle Augen auf sie gerichtet. „Sonst arbeiten wir eher im Hintergrund“, fügt Adamek hinzu.

Routine, wenn's richtig heikel wird
Druck? Natürlich. Aber für die Männer aus dem Weinviertel ist diese Art von Arbeit Alltag. „Unsere Monteure sind routiniert genug, um das auszublenden“, sagt Grasel. „Dieses Mal war es halt sehr öffentlich. Aber auf dieser Spannungsebene ist jede Montage heikel.“

(Bild: EPA/CLEMENS BILAN)
(Bild: EPA/CLEMENS BILAN)

Dass ausgerechnet zwei Techniker aus Niederösterreich die Situation in einer Millionenstadt stabilisieren, überrascht mittlerweile niemanden mehr. Denn was viele nicht wissen: In diesem Sektor ist ETN europaweit gefragt.

„Wir haben uns am Hoch- und Höchstspannungssektor mittlerweile einen Namen gemacht“, so Grasel. Wenn also morgen wieder irgendwo in Europa das Licht ausgeht, weiß man spätestens jetzt, wen man anruft: die Stromhelden aus dem Weinviertel.

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