Kleine und somit ungefährliche Reaktoren: So preist Tschechiens Atomlobby den geplanten Kernkraft-Ausbau in Temelin an. Das sei gleich in mehrfacher Hinsicht ein Schwindel, sind Gegner überzeugt.
Wenn Dalibor Strasky die Gefahr benennt, die Atomkraftwerke (AKW) in sich bergen, weiß er, worüber er spricht: Als Techniker war er in den Bau des AKW Temelin in den 1980er-Jahren involviert. Heute ist er Anti-Atom-Beauftragter des Landes OÖ und sagt über seine damaligen Erfahrungen: „Der Sicherheitsverantwortliche listete die zahlreichen Mängel der Kraftwerks zwar auf, erklärte es aber zugleich für sicher. In der Atomwirtschaft ist also grundsätzlich Vorsicht geboten.“
Kernkraft statt Kukuruz
Auch jetzt wieder: Wie berichtet, plant die Atomlobby auf einem Areal neben dem AKW Temelin „Small Modular Reactors“ (SMR), also Mini-AKW. Dort wo derzeit noch die Stoppeln vom kürzlich gedroschenen Mais stehen, sollen in zehn Jahren kleine Reaktoren sauberen und sicheren Strom erzeugen – so die Erzählung. „Der Begriff ,sicher’ wird in der Atomwirtschaft in Kontexten verwendet, die nur selten der tatsächlichen Vorstellung von Sicherheit entsprechen“, warnt Strasky. „Nur weil ein Kernkraftwerk kleiner ist, ist die Gefahr durch Unfälle nicht notwendigerweise kleiner“, pflichtet ihm Klimalandesrat Stefan Kaineder (Grüne) beim Lokalaugenschein in Temelin bei.
136 Konzepte
Derzeit gibt es für die Mini-AKW zwar schon 136 theoretische Konzepte, aber noch keinen konkreten Plan. Kaineder fordert daher nun in einem Schreiben an den südböhmischen Kreishauptmann Martin Kuba Informationen über das angekündigte Projekt.
Widerstand aus OÖ
Er verspricht vehementen Widerstand gegen das „Kernkraft-Experiment“ vor unserer Haustür“ – und hofft gleichzeitig, dass es sich dabei um ein Luftschloss handelt: Zum einen sei unwahrscheinlich, dass sich das Projekt innerhalb von zehn Jahren realisieren lässt, zum anderen bezweifelt er die Wirtschaftlichkeit von SMR: „Wir sitzen hier einem Märchen der Atomlobby auf.“
Mini-Atomkraftwerke stellen für die Tschechen eine Vision dar, wohin sich Kerntechnik entwickeln kann. Sie stellen sich darunter kleine Reaktoren vor, die auf Lastkraftwagen transportiert werden.
Edvard Sequens, Energieexperte beim Anti-Atom-Verein Calla
Falsche Vorstellungen
Zumindest ein Großteil unserer Nachbarn tue das, bestätigt Edvard Sequens vom Anti-Atom-Verein Calla. „SMR stellen für die Tschechen eine Vision dar, wohin sich die Kerntechnik entwickeln kann. Sie stellen sich kleine Reaktoren vor, die auf Lkw transportiert werden können.“









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