Spätestens jetzt dämmert so ziemlich allen, dass große Teile des Landes mit Sebastian Kurz einem vordergründig charmanten Schlawiner auf den Leim gegangen sein könnten. Damit beginnt die Phase der kühlen, aber auch einer moralinsauren Aufarbeitung. Das ist immer so, wenn eine turbulente Episode zu Ende geht.
Täglich sieht man nun die allzeit bereite Anfälligkeit für politische Scharlatanerie. Das ist keine Eigenschaft, die den Österreichern alleine gegeben ist. Wir kennen das aus Italien mit Berlusconi, aus den USA mit Trump und aus Frankreich mit Le Pen.
Aus gegebenem Anlass sei daher daran erinnert, dass Sebastian Kurz sehr viele Menschen für sich einnehmen konnte: Hingerissen waren vor allem ältere Herren aus der Wirtschaft und schmachtende Damen aus der besseren Gesellschaft. Erfahrene ÖVP-Landespolitiker bekamen in Kurz’ Nähe glänzende Augen. Und dann gab es noch Tausende Wähler, die das Gerede von der geschlossenen Balkanroute glauben wollten.
Nur misstrauische und abgebrühte Naturen sind nicht anfällig für faulen Zauber und vorgaukelte Zuneigung. Wäre der Mensch anders, hätten auch Heiratsschwindler/innen nie Erfolg.
Jetzt beginnt der kalte Entzug von der Anfälligkeit für eine ungesunde Nähe zu den höheren Etagen der Politik. Das Personal der Koalition erleichtert den Entwöhnungsprozess. Nur die Hartgesottensten werden dem diskreten Charme von Karl Nehammer, Gerhard Karner, Klaudia Tanner, Wolfgang Sobotka und Sigrid Maurer erliegen.
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