Der britische Geheimdienst geht davon aus, dass Russland einige Einheiten westlich des Dnipro-Flusses im Gebiet Cherson jetzt mit neu eingezogenen Soldaten aufstockt. Die dort stationierten Truppen haben demnach „extrem wenig Mannstärke“. So hätten russische Offiziere im September gemeldet, dass die Kompanien im Sektor Cherson nur noch aus sechs bis acht Mann bestehen, teilte das britische Verteidigungsministerium am Freitag mit.
Normalerweise besteht eine Kompanie aus rund 100 Soldaten - je nach Bewaffnung variiert die Personalstärke. Die Truppen am rechten Dnipro-Ufer sollen mit kürzlich mobilisierten Reservisten verstärkt werden. Diese haben somit wenig Kampferfahrung - laut britischem Geheimdienst das nächste Problem der russischen Streitkräfte.
Demnach sind die stark unterbesetzten und schlecht ausgebildeten Einheiten in der Ukraine derzeit nur zu defensiven Operationen fähig. Die russischen Bodentruppen gingen daher in den vergangenen sechs Wochen in den meisten Bereichen der Frontlinie zu einer langfristigen Verteidigungshaltung über. Lediglich in Donezk werden Angriffe fortgesetzt.
Russland spielt auf Zeit
Insgesamt spielt Russland offenbar auf Zeit, denn für die ukrainischen Truppen tickt angesichts der schlechter werdenden Witterung die Uhr für neue Rückeroberungen. Schlamm und Kälte können bald die Mobilität beeinträchtigen.
Aber auch wenn die russischen Streitkräfte es schaffen, ihre Verteidigungslinien langfristig zu festigen, bleibt ihr operatives Konzept laut britischem Verteidigungsministerium verwundbar. Um die Initiative wiederzuerlangen, müsste Russland demnach qualitativ hochwertigere und mobile Kräfte aufstellen, die ukrainischen Durchbrüchen entgegenwirken und eigene groß angelegte Offensiven durchführen können.
Kadyrow muss hohe Verluste zugeben
Die moskautreuen Truppen haben bei ihrer Invasion in der Ukraine schon große Verluste hinnehmen müssen, jetzt musste auch Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow zugeben, dass er in seiner Einheit zahlreiche Leute verloren hat. „Es sind 23 Kämpfer gestorben und 58 verletzt worden“, schrieb Kadyrow in der Nacht auf Freitag auf seinem Telegram-Kanal.
Zuvor hatte die Ukraine gemeldet, dass man die Kadyrow-Einheit getroffen hatte, nachdem diese ihren Standort in sozialen Medien preisgegeben hatte. Der Tschetschenen-Führer nutzte sein Eingeständnis gleich für einen Aufruf an seine Landsleute, sich für den Krieg in der Ukraine mobilisieren zu lassen.








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