Die Stadthalle bebt

Thiem schickt Paul nach „schrecklichem Start“ heim

Tennis
25.10.2022 20:39

Lokalmatador Dominic Thiem hat beim Wiener Stadthallen-Tennisturnier einen hart erkämpften Auftakterfolg gefeiert. Der 29-Jährige besiegte den US-Amerikaner Tommy Paul nach einem aus seiner Sicht katastrophalen ersten Satz 2:6, 7:6(2), 7:6(6). Damit stellte er im Head-to-Head auf 2:0. Im Achtelfinale trifft der Erste-Bank-Open-Sieger von 2019 am Donnerstag auf den Sieger der Mittwoch-Partie zwischen dem topgesetzten Russen Daniil Medwedew und dem Georgier Nikolos Basilaschwili.

Thiem reihte den Sieg über Paul im on-court-Interview auf der Wien-Hitliste ganz nach oben, über seine Leistung bei der knappen Niederlage als 20-Jähriger gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga vor neun Jahren. Als wichtiger sieht er aber weiter das Finale 2019. „Das Tsonga-Match war immer ganz, ganz besonders. Das Match heute hat das Match von 2013 verdrängt, da es das erste Match in meiner zweiten Karriere war nach meiner Verletzung. Es wäre eine Riesenenttäuschung, wenn ich das Match verloren hätte. Deswegen bin ich überglücklich, dass ich es gewonnen habe.“

Thiem vermied in der 2:55-Stunden-Partie mit einer im Matchverlauf starken Steigerung seine insgesamt dritte Auftaktniederlage in Wien nach 2014 und 2015, bei zwölf Antreten steht er zum elften Mal im Hauptbewerb. Nach seinem Triumph vor drei Jahren schied Thiem 2020 im Viertelfinale gegen den Russen Andrej Rublew aus. Im Vorjahr musste der US-Open-Sieger 2020 wegen seiner Handgelenksverletzung passen. Nun darf er weiter auf seine Rückkehr noch diese Woche in die Top 100 hoffen, der aktuell 113. hat sich im Live-Ranking vorerst auf Position 107 verbessert.

Hier die Stats zum Nachlesen:

Der Auftakt in sein zweites Duell mit Paul in einer mit 7.700 Zuschauern gut gefüllten Halle verlief für Thiem miserabel. Im Auftaktspiel fabrizierte er zwei Doppelfehler, nach zwölf Minuten lag er 0:4 zurück. Bei seinen beiden bis dahin gespielten Aufschlaggames war ihm kein einziger Punkt gelungen. Danach ging es mit dem Aufschlag, doch der Satz war weg. Nur elf der 37 ausgespielten Punkte waren an Thiem gegangen.

Doch in Satz zwei fand der mit einer Quali-Wildcard für nächste Woche in Paris ausgestattete Niederösterreicher mehr und mehr zu seinem Spiel, das zu Beginn offen zur Schau gestellte Selbstvertrauen Pauls begann auch ein wenig zu bröckeln. Der 25-Jährige ließ sich aber auch von drei Breakbällen gegen sich nicht überrumpeln, vergab jedoch auch selbst drei Möglichkeiten zur Vorentscheidung. In einem Match auf mittlerweile hohem Niveau ging es so ins Tiebreak. In dem gab Thiem vor einer jubelnden Menge den Ton und verwertete seine zweite Chance zum Satzausgleich.

Der 17-fache Gewinner von Tour-Events blieb am Ball und erarbeitete sich gleich zu Beginn des dritten Satzes zwei Breakchancen. Paul freilich zog den Kopf aus der Schlinge, und der Weltranglisten-30. drehte den Spieß um. Wie schon bei seinen ersten beiden Breaks gelang ihm das Durchbrechen von Thiems Service zu null, wobei dieser den Hänger mit einem Doppelfehler perfekt machte. Später war Thiem nur einen Punkt von einem 1:5 entfernt, startete aber in Folge eine Aufholjagd. Im Tiebreak führte er 3:0, wehrte dann zwei Matchbälle ab, und gewann doch noch.

Danach genoss Thiem die Ovationen. „Ich habe es so sehr vermisst. Es war lange her, viel zu lange. Es war absolut unglaublich. Es ist stimmungsmäßig eine Fortsetzung des 2019er-Finalmatches.“ Der Sieg war für ihn einer der Fans. „Ohne eure Unterstützung hätte ich nicht gewonnen. Es war schwierig. Ich bin das ganze Match hinterhergelaufen, habe einen schrecklichen Start erwischt. Die Bedingungen sind eigen, ich war auch nervöser als sonst. Ich war gefühlt das ganze Match der schwächere Spieler. Ich hätte mich nicht beschweren dürfen, hätte ich das Match verlaufen.“

Thiem war zuletzt in Gijon und Antwerpen bis ins Halbfinale gekommen und hatte sich als nun Ranking-113. seinem Top-100-Ziel angenähert. Noch am Samstag hatte Österreichs Nummer eins in Belgien um den Finaleinzug gespielt, und daher eine eher kurze Wien-Vorbereitungszeit. "In den letzten Jahren habe ich schon vier, fünf Einheiten am Center Court gehabt (vor dem ersten Match, Anm.), und das hat mir diesmal gefehlt. Das habe ich schon gemerkt am Anfang der Partie. Das erste Duell mit Paul hatte er unter anderen Vorzeichen bei den French Open 2019 gewonnen.

Die Chancen, dass mit Dennis Novak noch ein Österreicher ins Achtelfinale kommt, stehen nicht sehr gut. Denn der Niederösterreicher muss in der zweiten Mittwoch-Partie nach 14 Uhr gegen den als Nummer zwei gesetzten Griechen Stefanos Tsitsipas ran. Im Anschluss daran (nicht vor 17.30 Uhr) trifft Medwedew auf Basilaschwili. Der Steirer Filip Misolic war am Montag gegen den Argentinier Francisco Cerundolo ausgeschieden, der Niederösterreicher Jurij Rodionov am Dienstagnachmittag gegen den Kanadier Denis Shapovalov.

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(Bild: KMM)



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