
Die staatliche Krisenkoordination GECKO steht dem von der Regierung verfügten Ende der Corona-Quarantäne äußerst skeptisch gegenüber. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht hervor. In der aktuellen Situation sei der Wegfall der Isolierung positiv getesteter Menschen „mit einer Reihe von unkalkulierbaren Risiken verbunden“. Dies könne zum Kontrollverlust über das Infektionsgeschehen bei gleichzeitig steigenden Infektionszahlen führen.
Wie sich der Verzicht auf die Quarantäne tatsächlich auswirken wird, könne man „derzeit nicht präzise angeben“. Aber angesichts der aktuellen SARS-CoV-2-Varianten (mit erhöhter Übertragbarkeit bei verminderter Pathogenität) rechnen die GECKO-Experten mit einer „sehr labilen Ausgangssituation“ für den Spätsommer bzw. Frühherbst. Vieles sei noch unklar, etwa die Eigenschaften von BA.4/5 bzw. Dauer und Effizienz des Impfschutzes dagegen.
Vergleich mit anderen Staaten „nicht sinnvoll“
Für „nicht sinnvoll“ hält GECKO den Vergleich mit anderen Staaten - den Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) immer wieder zur Rechtfertigung vorgebracht hatten. Es gebe aber wesentliche Unterschiede, merkte GECKO an: So seien die Durchimpfungsraten z.B. in Spanien oder Dänemark viel höher, teils andere Impfstoffe verwendet worden - und zudem habe man in anderen Ländern diesen Schritt eigentlich immer bei steil nach unten abfallender Neuinfektionskurve gesetzt.
„Das sollte man in Österreich auch berücksichtigen“ und „grundsätzlich nicht dann Maßnahmen reduzieren, wenn die Kurve gerade ansteigt oder sich seitwärts auf hohem Niveau bewegt“, hatten die Experten die Regierung vor ihrer Entscheidung zur Abschaffung der Quarantäne mitten in der Sommerwelle wissen lassen. Sie unterstrichen zudem, dass beim Verzicht auf die Isolierung Corona-Infizierter „Anstrengungen in anderen Bereichen“ erhöht werden müssten, vor allem um vulnerable Personen zu schützen - etwa die Anzahl der Tests in diesen Bereichen zu erhöhen.
Die seitens der Regierungsvertreter betonte Hoffnung auf „Eigenverantwortung“ teilen die Experten nicht recht: Die Lockerung von Pandemiemaßnahmen könne, wie man schon früher gesehen habe, als Signal einer geringen Gefahr interpretiert werden. „Zu erwarten ist daher, dass bei einer sinkenden Gefahrenwahrnehmung die Maßnahmencompliance sowie das eigenverantwortliche Präventionsverhalten abnimmt.“
GECKO: „Brauchen besseren Impfschutz“
Dringend geboten sind aus Sicht der GECKO-Experten Anstrengungen für einen besseren Impfschutz. Österreich weise mit nur 56 Prozent einen sehr niedrigen Anteil abgeschlossener Grundimmunisierung (also drei Stiche) auf - und bei vielen liege der zweite Stich so weit zurück, dass sie keinen relevanten Schutz mehr haben. Angesichts der noch stärker ausgeprägten Immunflucht der neuen Varianten BA.4/5 müsse „unmittelbar und mit Nachdruck“ die vierte Impfung für die ältere Bevölkerung empfohlen werden. Wobei Daten aus den USA zeigen würden, dass das Alterslimit von 65+ zu hoch angesetzt sei. Österreich sollte den vierten Stich schon bei etwas jüngeren Personen (etwa 60) forcieren. „Vermutlich“ wird auch, so GECKO, eine fünfte Impfung im Winter nötig werden.














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