Letzter Wille egal

Gemeinde lässt geerbten Hof nun eiskalt abreißen

2020 erbte die Gemeinde Grünbach bei Freistadt in Oberösterreich einen Hof und ein Sparbuch mit 190.000 Euro für die Sanierung des Gebäudes. Jetzt will der Ortschef aber das Haus schleifen und das Gelände verkaufen.

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Moralisch höchst diskutabel ist für den Grünbacher SP-Fraktionschef Stefan Klambauer der geplante Abriss des 320 Jahre alten Neuhauser-Erbhofs. Das Gebäude und rund 6000 Quadratmeter Bauland hat die Gemeinde vor zwei Jahren vom ehemaligen Briefträger Nikolaus Neuhauser geerbt. Dazu ein Sparbuch mit 190.0000 Euro. Im Testament hielt er fest, dass die Gemeinde das Haus sanieren soll.

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Die Gemeinde hat den Erbhof geerbt. Der Erhalt des Gebäudes war nicht der letzte Wille des Verstorbenen, es war nur ein Wunsch von ihm.

Stefan Weißenböck, ÖVP-Bürgermeister in Grünbach

Pläne für 56 Wohnungen auf dem Erbhofgelände
Nun stimmte der Gemeinderat, in dem zehn VP-Politiker, fünf rote und vier blaue Mandatare sitzen, mit 10:9 für den Abriss. Den auch der schwarze Ortschef Stefan Weißenböck ausdrücklich befürwortet: „Die Sanierung des seit 2014 unbewohnten und einsturzgefährdeten Hauses hätte zwischen 500.000 und einer Million Euro gekostet. Da uns das Land nicht unterstützen würde, müssen wir es abreißen.“ Die Kosten dafür beziffert er mit 38.000 Euro. Danach strebt er den Verkauf an. „Eine Wohnbaugenossenschaft hat Interesse, sie plant 56 Wohnungen.“

Klambauer ärgert, dass ohne Plan und Konzept agiert wird. „Es ist weder mein Erbe noch das Erbe des Bürgermeisters oder der Gemeinderäte, sondern aller Bürger der Gemeinde Grünbach. Deshalb sollten auch sie entscheiden, was mit dem Haus passieren soll.“ Weißenböck winkt ab: „Wir haben erst letztes Jahr Wahlen gehabt, da brauche ich nicht schon wieder eine Abstimmung.“ Er kann sich vorstellen, für Neuhauser mit Gegenständen des Erbhofs einen Gedenkplatz mit einer kleinen Hütte zu errichten.

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