„Selbst Schuld, kein Mitleid“ oder „Die arme Familie!“ Wie stehen die Enzenkirchner zum Schwarzbau-Skandal? Die „Krone“ war vor Ort und sprach mit den Einwohnern: Die Meinungen gehen auseinander...
Die Sonne scheint beim Lokalaugenschein der „Krone“, doch wie eine Gewitterwolke hängt der Schwarzbau-Skandal über dem 1798-Einwohner-Ort Enzenkirchen. Jeder kennt die vierköpfige Familie, der nun der Abriss ihres Hauses droht, da sie teilweise im Grünland gebaut hat. Doch niemand will sich öffentlich dazu äußern.
„Jetzt müssen sie mit den Konsequenzen leben“
Ein Enzenkirchner erzählt uns im Vertrauen: „Menschlich ist es eine Tragödie, aber die wussten von Anfang an, dass das Risiko hoch war. Jetzt müssen sie eben mit den Konsequenzen leben.“ So wie er denken viele. Das Mitleid hält sich meist in Grenzen, trotzdem zeigt sich der Großteil der Bewohner von Enzenkirchen solidarisch. Die Familie ist mit ihrem Problem nicht alleine. Derzeit sind gleich mehrere Häuser vom Abriss bedroht. Die Besitzer haben gegen den Flächenwidmungsplan verstoßen – jetzt kriegen sie die Rechnung präsentiert: Die Häuser müssen abgerissen werden.
Familie im Ort bekannt
Die wohl bekannteste Familie unter den „Schwarzbauern“, die nun ihr Wohnhaus, die Doppelgarage, den Pool und das Poolhaus abreißen muss, ist im Ort bekannt, und man ist sich einig, dass es weniger radikale Optionen geben sollte. Ob die Betroffenen die zwölfmonatige Frist bis zum Benützungsverbot im Haus ausharren, oder ob sie bereits früher ihr trautes Heim verlassen, ist noch unklar. Auch der Umwelt zuliebe, finden manche Enzenkirchner, sollte man das Haus stehen lassen dürfen: „Die können ja eine saftige Strafe zahlen, aber man muss nicht gleich die Häuser abreißen.“ Im „Krone“-Gespräch verrät der amtierende Ortschef: „Als Bürgermeister denkt man auch an die Leute, so ein Abriss kann ja existenzbedrohend sein.“ Christian Gmundner (FPÖ) ist erst seit Kurzem Bürgermeister in Enzenkirchen. Die offensichtlichen Verfehlungen des Vorvorgängers, Franz Hochegger, muss er nun aufräumen. Ihm lägen die Menschen in seinem Ort am Herzen, sagt er. Jedoch: Seine Bemühungen, die Hausabrisse zu verhindern und eine andere Strafe zu finden, scheiterten.
„Entsorgungskosten sind ein Wahnsinn“
Nun müssen sich die betroffenen Familien den Konsequenzen stellen. Christian Gmundner fürchtet, dass sie in finanzielle Not geraten: „Allein die Entsorgungskosten sind ja ein Wahnsinn.“ Eine Familie baut Gerüchten zufolge schon ein neues Haus – sogar in derselben Siedlung. Auf die Frage, ob er das Image der Gemeinde verletzt sieht, antwortet Gmundner: „Auf jeden Fall. Egal wo ich hinkomme, in jeder Bürgermeisterkonferenz ist das Thema.“
Seit Donnerstag, 14. Juli, ermittelt auch die Staatsanwaltschaft in Enzenkirchen. Es geht um den Verdacht des Amtsmissbrauchs des „alten Bürgermeisters“ - hat er nicht hingeschaut oder die Schwarzbauten toleriert?
Karoline Gantner, Kronen Zeitung















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