Das Gastgewerbe sucht händeringend nach Personal. Doch die Bedingungen sind oft unzumutbar. Die Arbeiterkammer Wien schlägt nun Alarm. Denn nicht mehr Saisonarbeitsplätze seien die Lösung für die Probleme der Branche, sondern bessere Rahmenbedingungen und faire Entlohnung der Mitarbeiter.
Der Gastronomie gehen die Mitarbeiter aus. Und das ist auch nicht verwunderlich. So liegt das Gastgewerbe seit Jahren auf Platz eins, was die persönlichen Beratungen in der Arbeiterkammer betrifft. Alleine in Wien gab es im ersten Halbjahr dieses Jahres 1280 Gespräche. Das zeige, dass in der Gastronomie einiges im Argen liege. „Bei den zahlreichen geschilderten Arbeitsrechtsverletzungen handelt es sich um keine Einzelfälle. Die Probleme sind symptomatisch für die Branche“, weiß Bianca Schrittwieser von der AK.
Gesetze werden nicht eingehalten
Die häufigsten Probleme sind schlechte Arbeitsbedingungen, unbezahlte Überstunden, zu geringe, verspätete oder gar keine Entlohnung, falsche Lohnabrechnungen und kein bezahlter Krankenstand sowie Urlaub. „Es wäre ein guter Anfang, wenn endlich die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden“, sagt Schrittwieser. Wie zahlreiche Fälle beweisen.
Kündigung vor Urlaub
Kellnerin Silke B. arbeitet wöchentlich 70 Stunden, frei hat sie immer nur montags. Überstunden werden keine bezahlt, ebenso wenig Urlaube oder Krankenstände. Besonders perfide: Vor Urlaubsbeginn werden die Mitarbeiter gekündigt und verzichten auf jedwede finanziellen Ansprüche. Nach dem Urlaub erfolgt wieder die Einstellung.
Mitarbeiter werden nicht pünktlich oder gar nicht entlohnt, es gibt keinen bezahlten Urlaub oder Krankenstand. Ruhezeiten und Kündigungsfristen werden nicht eingehalten. Es braucht eine faire Entlohnung, mehr Kontrollen und Sanktionen in der Branche.
Bianca Schrittwieser, Leitung Arbeitsrecht, Arbeiterkammer Wien
Ausnutzen steht an der Tagesordnung
Küchengehilfe Andy K. arbeitete in einem Restaurant, als dieses plötzlich zusperrte. Er wurde weder informiert noch abgemeldet oder bezahlt. Der Chef war untergetaucht und K. konnte keinen neuen Job suchen, da er noch angemeldet war.
Laut AK braucht es dringend ein Monitoring dieser schwarzen Schafe und Sanktionen, um das Arbeiten in der Gastro wieder schmackhaft zu machen.















Kommentare
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).