Keine Einigung

NHL-Saison endgültig abgesagt

Sport
17.02.2005 09:08
Mit der Absage der gesamten Saison hat die nordamerikanische Eishockey-Profiliga NHL am Mittwoch den wohl schwärzesten Tag ihrer Geschichte erlebt. Liga-Chef Gary Bettman zog in New York die lange erwartete Konsequenz aus dem schon fünfmonatigen Arbeitskampf und verkündete, dass auch die restlichen Spiele bis zum Sommer ausfallen werden.
Als "schrecklich" beschrieb Bettman seine Gefühlslage,nachdem erstmals im nordamerikanischen Profisport eine kompletteSaison einem Arbeitskampf zum Opfer fiel. Zuletzt hatte es 1919keinen Stanley- Cup-Sieger gegeben, weil die Finalserie wegeneiner Grippewelle ausgefallen war. "Das ist ein trauriger, bedauernswerterTag, den wir alle gern vermieden hätten", sagte Bettman,betonte aber, er habe keine andere Wahl gehabt. Neben der Fortsetzungder Verhandlungen werde es Planungen für die Saison 2005/2006geben. 
 
Europäische Klubs reiben sich die Hände
Für die europäischen Vereine bedeutet dies,dass sie zumindest für den Rest dieser Spielzeit mit den379 NHL-Profis planen können, die dem Arbeitskampf bisherschon ausgewichen sind.
 
Keine Lösung trotz Kompromissen
Auch die letzten Angebote mit substanziellen Zugeständnissenhatten keine Einigung mehr gebracht. Beide Seiten waren bei dermaximalen Gehaltssumme für jedes der 30 Teams nur noch 6,5Millionen Dollar voneinander entfernt. Bettman multipliziertedie beiden Zahlen und unterstrich dann: "Wir waren nicht so dichtbeieinander, wie spekuliert wurde. Insgesamt geht es um 200 MillionenDollar." 
 
Beide Seiten gaben nach
Die Gewerkschaft hatte am Wochenende der Forderungnach der Einführung von Gehaltsobergrenzen nachgegeben -aus Bettmans Sicht zu spät, um noch ernsthafte Verhandlungenbis Mittwoch zu führen. Die Liga hatte ihrerseits daraufverzichtet, Einnahmen und Gehälter weiter aneinander zu koppelnund 42,5 Millionen Dollar als maximale Gehaltssumme pro Club angeboten.
 
"Das war der beste Deal, den wir hätten habenkönnen, obwohl wir in den nächsten beiden Jahren weiterGeld verloren hätten. Wir haben das vorgeschlagen, um dieSaison zu retten", sagte Bettman und kündigte an, die NHLwerde nun wieder eine Koppelung von Einnahmen und Gehälternfordern. 
 
Vorwürfe gegen Gewerkschaft
Der Gewerkschaft warf er erneut Unkenntnis der wirtschaftlichenSituation vor: "Wir haben zehn Jahre lang ein Gehaltsabkommengehabt, das nicht funktioniert hat. Alle wussten das, nur dieGewerkschaft nicht." Es sei nicht möglich, 75 Prozent derEinnahmen für Gehälter auszugeben. "Die Spieler sollenso viel bekommen, wie wir uns leisten können - nicht mehrund nicht weniger." 
 
Gewerkschaftsboss Bob Goodenow, der am Dienstagzwei Briefe mit Bettman ausgetauscht hatte, wollte am Mittwochabendauf einer Pressekonferenz in Toronto Stellung beziehen. Goodenowhatte angeboten, statt der zuvor geforderten maximal 52 MillionenDollar pro Team auch mit 49 Millionen zufrieden zu sein. 21 Clubswürden Bettmans früheren Berechnungen zufolge wenigerals 42,5 Millionen Dollar ausgeben und die 49-Millionen-Grenzenicht ausschöpfen.
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