05.07.2022 10:42 |

Schwere Flut

„Verlassen Sie ihr Haus“: Verzweiflung in Sydney

Teile der australischen Ostküste stehen vier Monate nach den historischen Überschwemmungen vom März erneut unter Wasser. Die Situation ist teilweise so dramatisch, dass die Regierung das Hochwasser im Bundesstaat New South Wales zur Naturkatastrophe erklärt hat, um schneller Gelder für die Flutopfer freimachen zu können. Besonders betroffen ist Sydney. Im Großraum der Millionenstadt wurden ganze Gebiete meterhoch überflutet. Die Betroffenen waren verzweifelt.Regionalpremier Dominic Perrottet forderte die Menschen auf, sich an die Anweisungen der Behörden zu halten. „Wenn eine Evakuierungsorder vorliegt, dann verlassen Sie bitte Ihr Haus.“

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Die Krise sei „alles andere als vorbei“, so der Politiker: Auch für den Rest der Woche würden in Teilen von New South Wales starke Regenfälle erwartet.

Sturzbäche vom Himmel
Innerhalb von nur vier Tagen sei mehr Niederschlag gefallen als in London in einem ganzen Jahr, rechneten Meteorologen vor. Das verdeutlicht, was für Sturzbäche da vom Himmel gekommen sind. Verantwortlich ist ein mächtiges Tiefdruckgebiet zwischen Australiens Ostküste und der Nordinsel Neuseelands, das feuchte Luft und schwere Wellen an die Küste von New South Wales treibt.

„Wegen der früheren überdurchschnittlichen Niederschläge im Sommer und in Teilen des Herbstes fällt dieser Regen auf feuchte Böden und volle Wasserspeicher“, schrieb der Klimaexperte Mark Howden von der Australian National University im „Sydney Morning Herald“. Die Folge: Die Flüsse schwellen in Windeseile an und treten über die Ufer.

Warnung vor extremen Wetterereignissen
Howden warnte, dass sich solche extremen Wetterereignisse in Zukunft häufen werden, „wenn wir nicht jetzt handeln“. Es müsse schnell ein klarer Plan her, um die Auswirkungen der globalen Erderwärmung zu bekämpfen. Denn Australien leidet ganz besonders unter den Folgen des Klimawandels - Hitzewellen, Buschbrände und Hochwasser in immer größerem Ausmaß und immer kürzeren Abständen sind die Folge.

Erst im März hatte es in Sydney und weiten Teilen von New South Wales und Queensland verheerende Überschwemmungen gegeben. Viele Australier leiden noch unter den zerstörerischen Folgen der historischen Fluten und fürchten nun schon wieder um ihre Existenz.

Bewährungsprobe für die Politik
Für die Regierung von Premierminister Anthony Albanese ist die Krise die erste große Bewährungsprobe. Der Labor-Chef, der erst seit Mai neuer Regierungschef ist, hat den Kampf gegen den Klimawandel zu einem zentralen Punkt seiner Agenda gemacht. Um diese schneller voranzutreiben, plant er ein neues „Mega-Ministerium für Klimawandel, Energie, Umwelt und Wasser“. Die konservative Vorgängerregierung von Kohle-Befürworter Scott Morrison stand hingegen wegen ihrer passiven Klimapolitik schwer im Visier der Kritik. Albanese, der am Dienstag von einer Reise nach Europa zurückerwartet wird, wollte sobald wie möglich persönlich ins Katastrophengebiet reisen.

Die Betroffenen waren unterdessen verzweifelt. „Wir werden verkaufen. Wir können das nicht noch einmal durchmachen“, zitierten Medien einen Mann namens Darren Morgan, der seit mehr als 20 Jahren in Sydneys Vorort Lansvale lebt. Sein Haus wurde innerhalb von 48 Stunden gleich zwei Mal von Sturzfluten überschwemmt.

Evakuierungsorder für 50.000 Menschen
Insgesamt gab es bis Dienstag eine Evakuierungsorder für 50.000 Menschen. Hunderte Anrainer forderten in der Nacht Hilfe an. Die Einsatzkräfte rückten immer wieder aus, um Häuser leer zu pumpen und Menschen zu retten. Fast 20.000 Haushalte waren ohne Strom. Straßen standen meterhoch unter Wasser, Brücken wurden unterspült. Der Bahnverkehr war nach Erdrutschen teilweise unterbrochen.

Manche Gebiete, wie das Congewai Valley in der Hunter-Region, waren wegen der Wassermassen von der Außenwelt abgeschnitten. Vermutlich werde es Tage dauern, bis das Gebiet wieder zugänglich sei, hieß es. „Die Hauptstraße ins und aus dem Tal wurde über Nacht weggespült“, sagte die Anrainerin Jill Crawford-Lane. „Jede Familie hier ist betroffen, wir können sogar unsere Nachbarn nicht mehr erreichen, die nur einen Kilometer entfernt wohnen.“

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