09.06.2022 17:00 |

Non-Hodgkin-Lymphom

Boris Bukowski: Heimtückische Krebserkrankung

Große Sorge herrscht derzeit bei den Fans von Austropop-Legende Boris Bukowski. Der 76-jährige gebürtige Steirer machte mit einem Posting seine Krebserkrankung öffentlich und musste wegen monatelanger Chemo seine Konzerte für heuer absagen. Was steckt hinter dieser Krankheit? Ein Experte klärt auf.

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Non-Hodgkin-Lymphome bezeichnen eine äußerst komplexe Gruppe von Lymphdrüsenkrebs mit einer Reihe von Untergruppen und Typen. Lymphdrüsen bzw. Lymphknoten befinden sich überall im Körper, etwa in der Achsel und Leiste, am Hals sowie in der Nähe der inneren Organe. Sie sind Teil des Abwehrsystem und dienen als „Filterstationen“ für Gewebswasser (Lymphe), das sie etwa von Krankheitserregern oder entarteten Körperzellen reinigen.

Es kann jeden treffen
Die Ursachen für die Entstehung eines Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) sind bis heute nicht geklärt, wie Univ. Prof. Dr. Johannes Drach, Ärztlicher Direktor der Privatklinik Confraternität in Wien erklärt. „Vermutet wird, dass ein langer Kontakt mit schädlichen Substanzen diese Erkrankung auslöst. Sie kann grundsätzlich jeden treffen, wobei sich je nach Art des NHL unterschiedliche Häufungen zeigen“, so der Experte für Krebs und Blutkrankheiten. Als Risikofaktoren werden auch Virusinfektionen oder Störungen des Immunsystems diskutiert.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen langsam wachsenden (indolenten) und aggressiven (high grade) Typen. Erstere entwickeln sich schleichend über viele Monate oder sogar Jahre und verursachen lange Zeit keine Beschwerden. Diese Form tritt eher bei älteren Menschen über 60 Jahren auf. Aggressive Formen treten laut Prof. Drach hingegen sehr schnell, oft innerhalb weniger Wochen auf. Daran erkranken vor allem entweder Jugendliche/junge Erwachsene oder Ältere über 60/65 Jahre. Sind Lymphknoten im Bereich des Halses, der Achsel oder Leiste betroffen, fällt ein wachsender Knoten rasch auf. Sie können aber auch im Körperinneren auftreten, etwa im Brustkorb oder Bauchraum.

Genaue Diagnose erforderlich
Die Schwellungen sind - im Unterschied zu vergrößerten Lymphknoten im Rahmen von Infektionskrankheiten - nicht schmerzhaft oder druckempfindlich. Weiters können noch Symptome wie wiederkehrende Fieberschübe (vor allem abends), sehr starkes Schwitzen in der Nacht und ungewollter, deutlicher Gewichtsverlust hinzukommen. „Unklare Lymphknotenschwellungen gehören unbedingt durch Biopsie, das heißt Entnahme einer Gewebeprobe, genau untersucht. Nur so zeigt sich, ob ein Lymphome und vor allem welcher Typ vorliegt. Durch Methoden wie Ultraschall oder Computertomografie lässt sich zwar der Ort, die Ausdehnung und das Stadium des Knotens feststellen. Dahinter könnten aber auch zahlreiche andere Erkrankungen stecken“, so Prof. Drach.

Zitat Icon

Wir greifen den Krebs von mehreren Seiten an. Die Ergebnisse haben sich dadurch entscheidend verbessert.

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach, Innere Medizin. Hämato-Onkologie

Heilungschancen von vielen Faktoren abhängig
Die exakte Bestimmung der NHL-Type ist wichtig für die Wahl der Therapie. In 70 Prozent der Fälle handelt es sich um sogenannte B-Zellen-Lymphome. Hier erfolgt die Behandlung als Zweifachstrategie: mittels Chemo- und Immuntherapie. Bei der Chemotherapie kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, die das entartete Zellwachstum blockieren und die Krebszellen zum Absterben bringen. Prof. Drach: „Bei aggressiven NHL-Formen sind sehr viele Zellen in Teilung, die man sehr gut ,erwischen‘ kann. Die Heilungsrate ist daher wesentlich höher als bei langsam wachsenden Formen, wo wir - trotz oftmaliger Rückbildungen - selten eine vollständige Genesung erreichen.“

Selbsthilfegruppe

Bei der Immuntherapie wird ein medikamentöser Antikörper verabreicht, der sich an die ganz speziellen Merkmale an der Oberfläche der entarteten Zellen anheftet. Das Immunsystem kann sie dadurch erkennen und bekämpfen. „Wir greifen den Krebs von mehreren Seiten an. Die Ergebnisse haben sich dadurch entscheidend verbessert“, berichtet der Experte. Die Therapie dauert meist 4-6 Monate. Eventuell ist auch eine Strahlentherapie sinnvoll. Möglichkeiten und Erfolg einer Behandlung bzw. ob Heilung möglich ist, häng von vielen Faktoren ab wie Art und Stadium des Lymphoms sowie Allgemeinzustand und Begleiterkrankungen des Patienten.

Regina Modl
Regina Modl

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