Pandemie und Krieg

Kleingärten erleben in der Krise einen Boom

Oberösterreich
13.03.2022 19:00

Zuerst die Pandemie, dazu das Schreckgespenst Blackout und jetzt ein Krieg: Das Thema Selbstversorgung wird wieder größer, aber wichtiger ist das Freiheitsgefühl auf der eigenen Scholle. Die Nachfrage nach Kleingärten ist deshalb enorm angestiegen.

„Bei uns stehen 25 Leute auf der Warteliste. Mehr nehme ich auch nicht auf, weil das wäre ja unfair, jemandem Hoffnung auf einen Garten zu machen, wenn er keine realistische Chance hat" - wie bei allen Kleingartenvereinen (KGV) in Oberösterreich hat auch Heinrich Hauser in Steyr-Münichholz ein Problem, das Obleute von nachwuchsschwachen Vereinen gerne hätten: zu viel Zulauf.

Landesverband zählt 4000 Mitglieder
41 Prozent der Oberösterreicher nennen eine Scholle Erde ihr Eigen oder haben sie, wie bei Schrebergärten üblich, langfristig - meist bis zum Tod - in Pacht. „Derzeit zählen wir rund 4000 Vereinsmitglieder“, weiß Birgit Wiesinger, die Präsidentin des Landesverbands der Kleingärtner in OÖ und auch Obfrau des KGV Riesenhof in Linz. Sie hat in den vergangenen drei Jahren keinen Garten neu vergeben und schätzt, dass es so alle sieben Jahre in “ihrem„ Reich einen Wechsel gibt.

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Corona hat die ohnehin schon große Nachfrage nach Kleingärten weiter gesteigert. So ein Garten ist für viele Leute einfach ein Stück Freiheit, das auf Dauer auch leistbar ist.

Heinrich Hauser, Obmann des KGV Münichholz in Steyr

Gartenglück mit Pool
Und wie die Besitzer von Haus und Garten, haben auch die Pächter von Kleingärten in der Corona-Zeit investiert. Schrebergarten-Siedlungen, auf denen nur kleine, spartanische Holzhäuschen stehen, werden zusehens abgelöst von regelrechten Nebenwohnsitzen, auch wenn diese nicht als solche gelten und genutzt werden dürfen. Also mit unterkellerten Häusern und Pools. Da kommen dann gleich einmal Ablösen bis zu 100.000 Euro zusammen. 

Hausbesitzer blitzen bei Schrebergärten ab
„Der Selbstversorgergedanke ist in den Hintergrund getreten“, heißt es bei den Kleingärtnern unisono. Das gilt auch bei den Hausbesitzern, die übrigens kein Recht auf einen Schrebergarten haben. Dieser ist Leuten vorbehalten, deren Wohnung maximal einen Balkon als Freifläche bietet.

Anfragen in Richtung Selbstversorgung
Bei Christian Stadler aus Hofkirchen im Traunkreis, der seit sieben Jahren die sogenannten Morgentau-Gärten in Linz, Wels, Steyr, Leonding, Traun und Graz anbietet, schaut’s etwas anders aus. Derzeit laufen hier die Buchungen für die mehr als 900 Parzellen, die wieder neu vergeben werden. „Wir verzeichnen um etwa 15 Prozent mehr Anfragen in Richtung Selbstversorgung“, heißt es bei Morgentau. Und jede vierte Anfrage dreht sich um Autarkie - also Unabhängigkeit - oder schlicht ums Rausgehen dürfen. Da spielen auch das Schreckgespenst Blackout und der Krieg in der Ukraine eine Rolle. „Wer in der Pandemiezeit, also vor allem bei Lockdowns, einen Garten hatte, war ein Sieger", sagt eine Miet-Gärtnerin.

Frauen garteln, Männer grillen
Apropos Gartenpflege: Jeder zweite meint zwar, dass der Garten viel Arbeit abverlange, gleichzeitig ist für 47 Prozent diese Arbeit aber auch Ausgleich zur Hektik des Alltags. Und Frauen und Männer finden ihr Glück in unterschiedlichen Aufgaben auf dem eigenen Fleckerl Erde: Frauen garteln im wahrsten Sinne gerne, während die Männer im Garten am liebsten einfach grillen.

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