Aleksandar Dragovic:

„Kampf ums Überleben - Fußball ist jetzt egal!“

Fußball International
08.03.2022 17:15

Stop War! In nahezu jedem Stadion in Europa gibt es Solidaritätsbekundungen für die Ukraine, Klubs und Spieler rufen zum Spenden auf. Aleksandar Dragovic ist angesichts der Kriegs-Tragödie genauso machtlos, aber noch emotionaler involviert als viele seiner Kollegen. „Die Menschen haben nichts zu essen, kämpfen ums Überleben, da ist der Fußball egal. Ich wünsche es ihnen, dass es eine Lösung gibt. Keiner will diesen Krieg. Es ist fürchterlich.“

Denn von 2013 bis 2016 verteidigte er für Dynamo Kiew. Auf dem grünen Rasen - das muss man in diesen Zeiten extra betonen. „Ich habe noch zu einigen in Kiew Kontakt“, versucht sich der ÖFB-Legionär zu vergewissern, dass es seinen alten Freunden gut geht. Etwa seinem ehemaligen Dolmetscher und Klub-Chauffeur. Sie waren auch oft an seiner Seite, als zum Jahreswechsel 2013/14 die Majdan-Revolution in Kiew zahlreiche Tote forderte. „Man dreht den Fernseher auf und sieht, dass die halbe Innenstadt brennt“, erinnert sich Dragovic, der in der Nähe des „Unabhängigkeitsplatzes“ gewohnt hatte. „Ich hatte damals Glück, habe mir kurz überlegt, nach Österreich zurückzukehren.“

Aber er blieb auch, als die Krim von den Russen annektiert wurde. Denn Dynamo Kiew schirmte seine Stars im Trainingszentrum perfekt ab. So wurde etwa das Europacup-Heimspiel gegen Valencia auf Zypern durchgezogen. Fußball als Ablenkung. Das ist jetzt für die Ukrainer nicht mehr möglich. Daher sagte die FIFA auch das für den 24. März geplante WM-Play-off-Spiel in Schottland vorerst ab, hofft auf eine Austragung im Juni - für Dragovic verständlich. „Die Menschen haben nichts zu essen, kämpfen ums Überleben, da ist der Fußball egal. Ich wünsche es ihnen, dass es eine Lösung gibt. Keiner will diesen Krieg. Es ist fürchterlich.“

Der 31-Jährige leidet mit, zumal er die Ukrainer als „unglaublich freundliche, hilfsbereite, stolze Menschen“ kennengelernt hat. Aber die Politik kommentieren kann und will er nicht. Auch, dass Roter Stern Belgrad, sein aktueller Klub, von Gazprom gesponsert wird. Österreich 98-facher Internationaler versucht sich auf das Sportlich zu konzentrieren. Am Donnerstag geht’s im Europa-League-Achtelfinale in Glasgow gegen die Rangers, in Serbien ist er nach dem 2:0-Derbysieg gegen Partizan wieder voll im Titel-Geschäft. Und dann gastiert er mit Österreich in Wales, der erste von zwei finalen Schritten zur WM. Wohin die Ukrainer (über Schottland) und dann Wien auch woll(t)en…

Rainer Bortenschlager
Rainer Bortenschlager
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(Bild: KMM)



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