„Russischer Pinocchio“

Putins Höllenwaffe an der ukrainischen Grenze

Ausland
23.02.2022 11:01

Sie ist der Albtraum jedes Soldaten: Der TOS-1-Raketenwerfer aus dem russischen Arsenal, Spitzname „Buratino“ (russisch für „Pinocchio“), der immer öfter an der russischen Grenze gesichtet wird. Schon 2014 hat er mit seinen thermobarischen Raketen für verheerende Verluste in der Ukraine gesorgt, und wird nun wieder gegen ukrainische Wehrpflichtige in ihren Schützengräben in Stellung gebracht.

„Der Soldat stirbt gleich mehrere Tode“, analysiert Oberst Markus Reisner von der Entwicklungsabteilung der Militärakademie in Wiener Neustadt die „Albtraumwaffe“ im russischen Arsenal. „Er erstickt, verbrennt, oder wird von dem Druck und den Splittern getötet.“

Ein TOS-1-Raketenwerfer bei einer Übung: Mit knapp vier Kilometern Reichweite ist diese Waffe eine tödliche Ergänzung zu Panzerverbänden. (Bild: EPA)
Ein TOS-1-Raketenwerfer bei einer Übung: Mit knapp vier Kilometern Reichweite ist diese Waffe eine tödliche Ergänzung zu Panzerverbänden.

Große Fläche wird zur Todeszone
Denn die vom TOS-1 verschossenen Raketen verteilen beim Aufschlag ein leicht brennbares Gemisch in der Luft, das sich sofort entzündet. „Auf einer großen Fläche wird durch die schlagartige Verbrennung der Sauerstoff entzogen. Dann folgt eine Druck- und Hitzewelle, Trümmer fliegen durch die Luft.“ Ein einziger Raketenwerfer verwandelt so eine Fläche von 200 mal 400 Metern in eine Todeszone.

Trommelfell reißt, schwere innere Schäden
Aus einer CIA-Analyse geht hervor: „Im Bereich der Flammen werden alle Personen ausgelöscht, außerhalb erleiden Opfer schwere innere und häufig unsichtbare Verletzungen. Das Trommelfell reißt, innere Organe werden zerstört.“ Selbst Bunker helfen aufgrund der starken Druckunterschiede wenig.

Militärexperte Oberst Markus Reisner, seit September Kommandant der Garde in Wien (Bild: Bundesheer, Reuters, Krone KREATIV)
Militärexperte Oberst Markus Reisner, seit September Kommandant der Garde in Wien

Auf einen Schlag 67 Ukrainer getötet
Bereits in Afghanistan und Tschetschenien wurde diese damalige „Geheimwaffe“, die an die „Stalin-Orgeln“ aus dem Zweiten Weltkrieg erinnert, sporadisch eingesetzt. Später, im Juli 2014, sorgten derartige Waffen in der Ukraine erstmals für verheerende Verluste: Auf einen Schlag löschten damals die thermobarischen Raketen 67 ukrainische Soldaten im offenen Gelände aus, 175 wurden so schwer verletzt, dass viele von ihnen später am Weg ins Krankenhaus verstarben. Ein Schock ging damals durch die ukrainischen Streitkräfte, seitdem ist die Waffe gefürchtet. 

Für russische Kommandanten ist der Raketenwerfer mit einer Reichweite von knapp vier Kilometern eine schlagkräftige Waffe: Gerät die Spitze einer Panzerkolonne unter Beschuss, erklärt Reisner, werden innerhalb von wenigen Minuten die Raketenwerfer in Stellung gebracht, diese beschießen das Ziel dann großflächig aus der Entfernung.

Soldaten der ukrainischen Streitkräfte an der Frontlinie in der Nähe des Dorfes Novognativka in der Region Donezk (Bild: AFP)
Soldaten der ukrainischen Streitkräfte an der Frontlinie in der Nähe des Dorfes Novognativka in der Region Donezk

Soldaten in Schützengräben, wie sie auf ukrainischer Seite kilometerlang ausgehoben wurden, haben keine Chance.

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