Di, 23. Oktober 2018

6 Monate bedingt

11.05.2011 09:52

Sprenggehilfe bei Explosion getötet: Chef schuldig

Wegen fahrlässiger Tötung hat sich am Dienstag ein Osttiroler Sprengmeister vor dem Landesgericht in Innsbruck verantworten müssen. Der Beschuldigte hatte seinen Sprenggehilfen alleine und ohne Aufsicht einen großen Felsen in Matrei sprengen lassen. Der Gehilfe kam durch die Explosion zu Tode. Richterin Nadja Obwieser verurteilte den Chef zu sechs Monaten bedingter Haft.

Es war ein tragischer Unfall, an dem der Angeklagte sicher schwer zu beißen hat. "Ich habe nicht nur einen Arbeitskollegen, sondern auch einen Freund verloren", schilderte der Sprengmeister vor Gericht. Doch ob all der Tragik ging die Justiz auf Spurensuche: Denn es kann nicht sein, dass ein nicht ausgebildeter Gehilfe mit einem Kilo Sprengstoff hantiert und ohne Aufsicht Sprengungen durchführt.

"Warum haben Sie ihren Gehilfen alleine zu diesem Auftrag geschickt?", fragten Richter und Staatsanwalt. Der berufliche Stress und die zunehmende Auftragsbelastung haben das Duo auf die Idee gebracht. "Ich sollte zu der Baustelle fahren, hatte aber noch an einem anderen Ort zu tun. Daher bot mir mein Gehilfe an, dass er den neuen Auftrag bei der Baustelle ohne mich erledigt. Ich sagte zu, das bereue ich heute sehr", so der Angeklagte.

"Ich dachte er kann das"
Rechtlich gesehen hätte der Meister seinen Schüler niemals alleine mit einem Kilo TNT losziehen lassen dürfen. Der Gehilfe darf laut Verordnung lediglich unter Aufsicht hantieren und nicht einmal dabei eine scharfe Sprengladung setzen. "Wir haben über zehn Jahre zusammengearbeitet, ich dachte er kann das", so der Beschuldigte weiter.

Genau dieser Einschätzung hätte der Meister aber nicht verfallen dürfen. Es gilt, die Verordnungen zu befolgen und gerade beim Hantieren mit TNT besondere Aufsicht und Vorsicht anzuwenden. "Es besteht kein Zweifel, dass Sie den Tod ihres Kollegen fahrlässig herbeigeführt haben", so Obwieser. Das Urteil - sechs Monate Haft auf Bewährung - ist nicht rechtskräftig.

von Matthias Holzmann, Tiroler Krone

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Tirol

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.