17.01.2022 11:55 |

Zwei Teenager gefasst

Festnahmen in England nach Geiseldrama in Texas

Nach der Geiselnahme in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas hat die britische Anti-Terror-Polizei zwei junge Männer festgenommen. Die beiden Teenager seien im Süden Manchesters gefasst worden und würden nun vernommen, teilte die zuständige Ermittlungsbehörde in der Nacht auf Montag mit. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt gegeben. Der Täter, der bei der Geiselnahme in der Stadt Colleyville nahe Dallas ums Leben kam, wurde als britischer Staatsbürger Malik Faisal Akram identifiziert.

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Der Geiselnehmer hatte am Samstagvormittag während eines Gottesdienstes in der Synagoge vier Menschen - darunter der Rabbi - in seine Gewalt gebracht und sich mit ihnen verschanzt. Nach stundenlangen Verhandlungen mit dem Mann drangen Spezialkräfte in das jüdische Gotteshaus ein und brachten die Geiseln unverletzt in Sicherheit. Der Täter starb - wie genau, das ließ die Polizei offen. Auch zu den Hintergründen hielten sich die Behörden zunächst bedeckt.

Familie wollte Geiselnehmer von Tat abbringen
In Großbritannien meldete sich ein Bruder des Mannes zu Wort. Die Familie distanziere sich von der Tat und bitte die Betroffenen um Entschuldigung, schrieb der Bruder auf der Facebook-Seite der muslimischen Gemeinde der nordenglischen Stadt Blackburn. Der Geiselnehmer sei psychisch krank gewesen. Die Zeit während der Geiselnahme habe die Familie im Polizeirevier von Blackburn verbracht. Dort sei sie im Kontakt mit dem FBI und dem Geiselnehmer gewesen, habe ihn jedoch von seiner Tat nicht abbringen können.

US-Medien berichteten unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Geiselnehmer habe die in Texas inhaftierte pakistanische Wissenschaftlerin Aafia Siddiqui freipressen wollen. Sie war demnach im Juli 2008 im afghanischen Ghasni festgenommen und 2010 wegen eines Angriffs auf US-Soldaten in Afghanistan von einem US-Bundesrichter zu 86 Jahren Haft verurteilt worden. Beim Verhör auf einer Polizeiwache hatte sie eine am Boden liegende Waffe an sich genommen und auf einen US-Soldaten und einen Übersetzer gezielt, ohne diese zu treffen.

Die Frau hatte an einer Elite-Universität in den USA studiert. Später wurde ihr Name von US-Behörden auf eine Liste von Verdächtigen gesetzt, die mit Al-Kaida-Terroristen in Verbindung stehen könnten. Ein Anwalt Siddiquis sagte dem Sender CNN, die Familie der Frau verurteile die Tat. Er widersprach der Behauptung des Geiselnehmers, er sei Siddiquis Bruder.

„Terroristische und antisemitische Tat“
US-Präsident Joe Biden bezeichnete die Geiselnahme als einen „Akt des Terrors“. Ersten Erkenntnissen zufolge habe der Täter nach seiner Ankunft im Land Waffen gekauft und seine erste Nacht in einer Unterkunft für Obdachlose verbracht, sagte Biden am Sonntag. Der Demokrat lobte den Einsatz der Polizei, bei dem alle Geiseln unverletzt freikamen. „Sie haben einfach großartige Arbeit geleistet.“ Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris riefen die Bevölkerung zur Bekämpfung von Antisemitismus und Hass auf. Die britische Außenministerin Liz Truss verurteilte ebenfalls die „terroristische und antisemitische“ Tat.

Behörden in anderen US-Städten, unter anderem in New York und Los Angeles, teilten mit, angesichts der Geiselnahme hätten sie ihre Präsenz an Synagogen und jüdischen Einrichtungen vorerst verstärkt.

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