07.01.2022 07:00 |

„Krone“-Kommentar

Zurück in die Sowjetunion

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Die Bedeutung der Vorgänge in Kasachstan geht weit über die Grenzen dieses Staates (so groß wie ganz Europa) hinaus. Erstens: So sieht die berühmte Stabilität autoritärer Regime aus (im Vergleich zu dem Alltagschaos in Demokratien). Aufpassen, Kreml! Es passiert über Nacht, wenn es keiner erwartet. Zweitens: Kasachstans starker Mann Nursultan Nasarbajew war gar nicht der Ärgste in Zentralasien, aber sein Clan konnte die Taschen nicht voll genug bekommen. Drittens: Die rasche „brüderliche Hilfe“ Russlands - ähnlich Prag 1968 - zeigt, dass der Kreml eine zweite Ukraine in seinem „nahen Ausland“ nie mehr zulassen will. Damals hatte Putin auf den Regimewechsel in Kiew zu spät reagiert und nur noch die Krim und die Ostukraine „retten“ können.

Diese Militärintervention ist also auch ein Signal der Abschreckung an alle demokratischen Bewegungen entlang der Grenzen Russlands. Sie ist zu verstehen nur im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Ukraine, welche den russischen Bären als großer Stachel im Fell schmerzt. In Moskau wird schon ein Referendum in Kasachstan (wie auf der Krim) über die Wiedervereinigung mit Mütterchen Russland ventiliert.

Somit setzt sich Putins Kurs zurück in die alte Sowjetunion fort: nur begrenzten Souveränität für zwangsverbündete Staaten, „brüderliche Hilfe“ an Autokraten-Kollegen und Niederschlagung regimekritischer Revolten.

Kurt Seinitz
Kurt Seinitz
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