03.01.2022 06:00 |

„Krone“-Kommentar

Früher einmal ...

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Wann hat die Politik eigentlich aufgehört, sich selbst ernst zu nehmen?

Sätze, die mit „früher einmal“ beginnen, sind selten sympathisch. Aber am Beispiel der Anti-Atombewegung muss diese Phrase verwendet werden.

Früher einmal gab es in Österreich eine kraftvolle Anti-Atombewegung. Vor genau fünf Jahrzehnten, mit dem dann gescheiterten Bau des AKW Zwentendorf, nahm die Idee Fahrt auf.

Später, als Konsequenz aus der Katastrophe von Tschernobyl, begann dann der nicht gerade als visionärer Kanzler in Erinnerung gebliebene Franz Vranitzky seine Mission für ein atomkraftfreies Mitteleuropa. Das wurde lange Zeit belächelt. Die österreichischen Regierungen blieben - mit unterschiedlicher Intensität - hartnäckig, und immer mehr Länder rückten von der Atomkraft ab.

Jetzt kommt die EU wieder an einen entscheidenden Punkt in der Atom-Politik. Merkwürdige Rhetorik wie die von Kanzler Karl Nehammer, der in dem Zusammenhang von einem „verlorenen Krieg“ gesprochen hatte, bringt da genauso wenig wie ein neuer merkwürdiger Schwerpunkt der Grünen. Die Vizekanzler-Partei widmet sich seit dem 1. Jänner mit Leidenschaft dem Neujahrskonzert und dem Umstand, „wie weiß und männlich“ die Wiener Philharmoniker sind. Die Grünen prangern auch an, dass der beim Neujahrskonzert gespielte „Radetzkymarsch“ politisch überhaupt nicht korrekt sei.

Klingt lustig, kann aber fatale Folgen haben: Eine Politik, die sich nicht ernst nimmt, wird nicht ernst genommen.

Claus Pándi
Claus Pándi
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