28.12.2021 09:55 |

Wanderrouten

Weihnachtsstimmung dauert auf Krippiliwegen an

Eine Krippenschau der besonderen Art gibt es entlang des Illweges in St. Gallenkirch. Der weihnachtliche Wanderweg ist die beste Möglichkeit zumindest noch ein klein Wenig in Weihnachtsstimmung zu bleiben.

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Wer die Weihnachtsstimmung ein wenig aufleben lassen will, hat zahlreiche Möglichkeiten. Vielerorts haben Vereine und Privatpersonen Spazier- und Wanderwege festlich herausgeputzt - und auch nach dem Weihnachtsfeiertagen lohnt sich ein Besuch. Der Krippiliweg in St. Gallenkirch steht stellvertretend für all die kreativ und liebevoll gestalteten Themenwege im ganzen Land.

Ausgangspunkt ist beim Tourismusbüro in St. Gallenkirch. Von dort geht es zunächst ein kurzes Stück talauswärts, bevor man bei erster Gelegenheit links abbiegt und der Ausschilderung „Winterwanderweg“ folgt. Steil geht es hinab von der Ortsmitte zum Bachbett der Ill und nachdem das letzte Wohnhaus passiert wurde, finden sich schon die Hinweisschilder auf den Krippiliweg. Vorbei an einem weihnachtlich geschmückten Stall wandert man weiter über eine Brücke auf das andere Flussufer.

Neue Wege gehen
Seit Ausbruch der Pandemie ist vieles schwieriger geworden, zahlreiche Events wurden abgesagt. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch und so wollen die Mitglieder des Krippenbauvereins Innermonatfon im wahrsten Sinne des Wortes „neue Wege“ gehen. Da die traditionelle Weihnachtskrippenausstellung derzeit nicht durchführbar ist, wurden die mit viel Liebe gestalteten Werke der Krippenbauer entlang des Illweges im Ortsteil Gastauer „ausgestellt“.

Themen Räume geben
Ein Gäßschärm (Ziegenstall) wurde zudem zu einem Dialekt- und Gedankenraum umgestaltet. Einleitend hat auch Pfarrer Lukas Bonner einige Worte für Besucher dieser Ausstellung unter freiem Himmel verfasst. Der Krippenweg, so schreibt er, sei eine Einladung, unterwegs zu sein zu sich selbst. Es sei ein Weg, um zur Ruhe zu kommen, die Gedanken zu ordnen und der Frage nach dem eigenen Glauben nachzuspüren.

Fakten

Brauchum an Weihnachten
Gurke: Aus Amerika wurde vor einigen Jahren ein Brauch re-importiert, der angeblich im deutschsprachigen Raum seinen Ursprung hat. Christbaumschmuck in Gurkenform wird am Tannenbaum versteckt. Wer die Gurke als Erster entdeckt, erhält ein zusätzliches Geschenk. Mittlerweile sind Gurken-Anhänger auch hierzulande erhältlich. Der Brauch könnte mit deutschen Auswanderern nach Amerika gelangt sein. Christbaumloben: Ein Brauch, der sowohl im Montafon als auch in Oberschwaben verbreitet ist, ist das sogenannte Christbaumloben. An den Feiertagen besuchen sich die Nachbarn gegenseitig und loben enthusiastisch die Christbäume in den Wohnzimmern. Für das überschwängliche Lob spendiert der Gastgeber einen Schnaps oder Likör.

Auf diese Weise eingestimmt geht es zur ersten Station, die auch von historischem Interesse ist: Wie eine dicht zusammengedrängte Herde steht eine Ansammlung kleiner Ställe auf einer Lichtung. Es handelt sich dabei um die oben erwähnten Gäßschärm. In früheren Zeiten gab es hier 15 dieser Holzbauten. Sie dienten zur Unterbringung der Ziegen während der Nacht. Sommers wurden die Tiere täglich von einem Hirtenjungen auf die Weideplätze der Alpe Nova (knapp drei Stunden Fußmarsch) getrieben. Gegen 17 Uhr kehrte die Herde zurück ins Tal. Der letzte Ziegenhirte von Gastauer hütete im Jahre 1954 noch 70 Tiere.

Mittlerweile sind die meisten Ställe abgebrochen worden oder verfallen. Die noch bestehenden werden jedoch mit großer Sorgfalt Instand gehalten. Einer kann im Rahmen des Krippenwegs betreten werden - im Inneren findet der Besucher Fragen, mit denen er sich im Stillen auseinandersetzen kann (Wo stehe ich? Wohin gehe ich?), ein Raum ist dem Montafoner Dialekt gewidmet.

Die Mundart ist eine Form des Alemannischen, verwandt insbesondere mit der im südlichen Baden-Württemberg und der Nordostschweiz gesprochenen Sprache. Dabei hat die montafonerische Ausprägung starke rätoromanische Einflüsse, was unter anderem anhand von Ortsnamen nachzuvollziehen ist (zum Beispiel: Vallüla, Madrisa, Tafamunt). Im Dialektraum kann ein jeder seine Kenntnisse testen und versuchen hochdeutsche Worte dem jeweiligen Dialektausdruck zuzuordnen.

Fakten

Typ: Weihnachtsspaziergang
Dauer: circa 1,5 Stunden
Ausgangspunkt: Tourismusbüro St. Gallenkirch
Ausrüstung: Schuhe mit guter Profilsohle, warme Kleidung
öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 85 W von Bahnhof Schruns nach St. Gallenkirch Zentrum
Tipp: viele Themenwege bleiben bis Mitte Jänner bestehen

Zeit zum Innehalten
Danach geht es weiter, entlang des schmalen Pfades am Ufer der Ill und bald betritt man den winterlichen Wald. Entlang der Strecke, in Baumwurzeln und Felsnischen sind unterschiedlich gestaltete Krippen platziert, die immer wieder zum Innehalten und Bewundern einladen. Nach Vorformen im Hoch- und Spätmittelalter war eine im Jahr 1562 von Jesuiten in Prag aufgebaute Weihnachtsszene die erste Krippe im heute geläufigen Sinn. Bestärkt durch das Konzil von Trient (1545 bis 1563) versuchten die Orden der Jesuiten, der Franziskaner und der Serviten, die Kenntnis des Leben Jesu durch szenenhafte Darstellungen der Bevölkerung näher zu bringen.

Bevor im 19. Jahrhundert der Christbaum allgemeine Verbreitung fand, stand die Krippe im Mittelpunkt der katholischen Weihnachtsfeier. Als Ende des 19. Jahrhunderts mit der seriellen Herstellung von Krippenfiguren aus verhältnismäßig preiswerten Materialien wie Terrakotta oder Papiermaché begonnen wurde, konnten sich auch weniger wohlhabende Haushalte eine Krippe leisten.

Heute unterstützen die Vereine im Land Interessierte beim Bau der eignen Krippe. Interessierte können heuer die individuellen Werke im Rahmen eines Spaziergangs in Augenschein nehmen. Der Krippiliweg ist ein lohnendes Ziel für die gesamte Familie. Mitzubringen ist genügend Zeit, warme Kleidung und vielleicht eine Thermoskanne mit Tee. 

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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