16.12.2021 10:55 |

Falscher Ansatz?

Kritik an Kotau vor Immobilienwirtschaft

Die Bauträger in Vorarlberg sind mächtig, ihr Wort hat offenbar großes Gewicht. Anders ist es nicht zu erklären, weshalb das Land auf Zuruf der Immobilienwirtschaft - und entgegen dem Beispiel anderer Bundesländer und dem Rat vieler Experten - die Baukostenhöchstgrenze für die Wohnbauförderung um 14,9 Prozent erhöht hat.

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Vor langer Zeit war die Wohnbauförderung tatsächlich einmal ein Instrument, das viele Menschen bei der Verwirklichung von Wohneigentum unterstützt hat. Davon kann heute keine Rede mehr sein, nur mehr jedes vierte Eigenheim wird mit einer Wohnbauförderung errichtet.

Dass nun die Baukostenhöchstgrenze für den Erhalt der Förderung um 14,9 Prozent erhöht wurde - das entspricht genau dem Baukostenindex -, mag zwar die großen Bauträger im Land freuen, nicht aber die Vorarlberger Arbeiterkammer: „Politik, welche die Nöte der Bürger ernst nimmt, sieht anders aus“, verweist deren Direktor Rainer Keckeis auf die Tatsache, dass jene, die die Wohnbauförderung finanzieren, nämlich die Arbeitnehmer, ob der mittlerweile astronomischen Immobilienpreise nur selten von dieser profitieren.

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Politik, welche die Nöte der Bürger ernst nimmt, sieht anders aus.

Rainer Keckeis, Direktor der Arbeiterkammer Vorarlberg

Dass ausgerechnet die zur Kasse gebeten werden, welche sich von ihrem Einkommen ohnehin kein Eigentum leisten können, sei ein „Hohn“. Keckeis fordert neben einer grundlegenden Reform der Wohnbauförderung eine massive Aufwertung des gemeinnützigen Wohnbaus sowie die Bindung von Baugenehmigungen an die Auflage, einen Teil der Wohnungen zu den Konditionen des gemeinnützigen Wohnbaus zur Verfügung stellen zu müssen. „Darüber hinaus müssen auch die Möglichkeiten der Raumplanung stärker in die Bemühungen eingebunden werden, Wohnraum zu leistbaren Preisen für die arbeitenden Menschen zu schaffen.“

Ein wesentlicher Kostendämpfer könnten laut Keckeis höhere Baunutzungsziffern sein. Allerdings ist er skeptisch, dass die Landespolitik die Forderungen der Arbeiterkammer erfüllen wird - der Einfluss der Immobilienwirtschaft sei einfach zu groß. Um die Themen Wohnbau und Raumplanung nachhaltig und unabhängig zu denken, brauche es zwingend eine Loslösung vom Wirtschaftsressort. Dieser Wunsch ist allerdings auch schon öfters geäußert worden - und er wurde konsequent überhört.

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