Premiere in Bregenz

Die Götter von heute in Kleists „Amphitryon“

Vorarlberg
26.04.2024 13:05

Eine erfolgreiche Premiere feierte das Vorarlberger Landestheater mit Heinrich von Kleists Tragikomödie „Amphitryon“ am Mittwochabend.

Die Götter kommen mit einem UFO, denn an die aus dem alten Griechenland glaubt schon längst niemand mehr. Eher noch an die von heute, die, völlig wertneutral, zu Beginn auf den Zwischenvorhang projiziert werden: Papst Franziskus, Queen Elizabeth oder Donald Trump. Dann beginnt Kleists Tragikomödie „Amphitryon“, in der Menschen irre werden an ihrer Identität, sich einer Erscheinung ihrer Selbst gegenüber finden.

Das Doppelgängermotiv zieht sich durch Kunst, Literatur und Psychologie und ist stets furchteinflößend. Und wie erleben wir das an diesem Abend? Der Feldherr Amphitryon war monatelang im Krieg und kehrt nun heim. Doch seine Gattin Alkmene ist verwirrt, hat sie doch mit eben diesem Amphitryon die letzte Nacht leidenschaftlich zugebracht.

(Bild: Landestheater Vorarlberg)

Ebenso gefoppt fühlt sich der Diener Sosias, denn von einem identischen Sosias wurde ihm der Eintritt in sein eigenes Haus verwehrt. Die Personen der Handlung quälen sich in der Ungewissheit, das Publikum weiß Bescheid und amüsiert sich – so funktionieren die Komödien, und so funktionierte es auch am Mittwochabend im Theater am Kornmarkt, denn Regisseurin Angelika Zacek hatte die Sache im Griff.

(Bild: Landestheater Vorarlberg)

Unverbogen erzählt
Die Anspielungen auf das Heute mit UFO, Celebrities und KI sind dankeswert dezent, und die Geschichte wird unaufgeregt und unverbogen erzählt. Eine feinsinnige Personenführung mit ein bisschen Klamauk lassen die Handlung klar verfolgen und geben der eigenen Fantasie Raum. Sehr gelungen ist das Bühnenbild (Gregor Sturm) und die Lichtregie (Simon Tamerl), und typengerecht sind die Kostüme (ebenfalls Gregor Sturm).

Ob es allerdings sein musste, dass alle Royals schlecht frisierte Perücken in der Haarfarbe Donald Trumps tragen müssen? Insbesondere Mara Lisa Huber als sehr ansprechend agierende Alkmene sieht aus wie eine Hippiebraut nach drei Nächten am Strand, zudem versteht man sie nicht sehr gut. Viel klarer ist die Aussprache von Isabella Campestrini, die die Dienerin Charis temperamentvoll spielt.

Klassiker wie diese
In magentafarbenen Anzügen zeigen sich Luzian Hirzel als Amphitryon und Grégoire Gros als sein Doppelgänger beziehungsweise Jupiter. Der Diener Sosias wird von David Kopp gegeben, sein Alter Ego beziehungsweise Merkur ist Nico Raschner. Am Vorarlberger Landestheater sind Klassiker selten zu erleben. Gern würde man sie öfters haben, vor allem so stimmig aufgeführt wie dieser „Amphitryon“.

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