26.11.2021 06:30 |

Gewalt an Frauen

Täter weisen Verantwortung oft lange Zeit von sich

Seit Dponnerstag ist auch in Vorarlberg so manches Wahrzeichen oder Gebäude in oranges Licht getaucht - als Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Die Sensibilisierung auf das Thema ist bitter nötig, wurden heuer doch schon 29 Femizide in Österreich verübt. Neben Prävention und Beratung für Opfer braucht es auch die Arbeit mit Tätern, denn viele davon weisen die Verantwortung vehement von sich.

Im vergangenen Jahr wurden in Vorarlberg 425 Betretungsverbote ausgesprochen. Heuer waren es bis 31. Oktober bereits 388. Diesen Wegweisungen gehen oft jahrelange Martyrien voraus. Allerdings gibt es auch viele Fälle, in denen die Polizei nie an die Haustür klopft, denn eine der heimtückischen Eigenschaften häuslicher Gewalt ist: Sie wird im Verborgenen ausgeübt. Deswegen lässt sich auch nicht so einfach feststellen, wie viele Opfer von Gewalt es in den eigenen vier Wänden tatsächlich gibt.

Mit System oder ohne
Eine Zahl spricht aber eine überdeutliche Sprache - jene der Femizide, die heuer bereits in Österreich verübt wurden: erschreckende 29. Seit September diesen Jahres gibt es eine verpflichtende Täterberatung. Kam es zu einer Wegweisung, muss der Aggressor nun sechs Stunden Beratung in Anspruch nehmen. Mario Enzinger ist für die Gewaltberatung beim Institut für Sozialdienste (ifs) zuständig und unterscheidet bei körperlichen Übergriffen in Partnerschaften zwei Tätertypen. Die einen bedienen sich der Gewalt, um ein Macht- und Kontrollsystem aufrecht zu erhalten, bei den anderen tritt die Gewalt spontan in Konfliktsituationen auf. Gefährlich ist beides.

Bei der ersten Tätergruppe ist das Gewaltverhalten oft mit frauenfeindlichen Haltungen verknüpft, meist kommt es auch zu eskalierenden Gewaltspiralen: Die Übergriffe werden schwerer, die Abstände dazwischen immer kürzer. Beim zweiten Typus fehlt das Systematische, auch sind Macht und Kontrolle kein so großes Thema. Doch heikle Situationen wie Trennungen können bei beiden Typen zu brutaler Gewalt führen. „Trennungen sind generell Risikosituationen. Denn hier merken die Täter eindrücklich, dass sie wirklich etwas verlieren könnten,“ erklärt Mario Enzinger.

Sind die Täter dann in der Beratung, hören Enzinger und seine Kollegen am Anfang meist Rechtfertigungen. „Die Verantwortung wird im Außen gesucht, oft wird auch bagatellisiert.“ Deshalb sei es so wichtig, den Tätern die eigene Verantwortung vor Augen zu führen. Nur so können alternative Verhaltensweisen entwickelt werden.

Ob da sechs Stunden ausreichen? Immerhin sei es möglich, erste Impulse zu setzen, das Konzept der Eigenverantwortung zu thematisieren und Notfallpläne zu erstellen, sagt Enzinger.

 Vorarlberg-Krone
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