24.11.2021 06:02 |

„Krone“-Kommentar

Grant, Wut und Frust

4. Lockdown, 2. Tag: Der Wirt ums Eck hat zu wie die Staatsoper, der Baumarkt geschlossen wie das Fitnessstudio. Auf den Christkindlmärkten verzieht sich der Punschgeruch, ist Totenstille eingekehrt. Unterdessen kehrt in den Intensivstationen so gar keine Ruhe ein. Von den längst erschöpften Ärzten und Pflegekräften wird um das Leben von fast 600 Corona-Patienten gekämpft, während die Bestatter allein in den letzten 24 Stunden 72 an oder mit Corona Verstorbene übernahmen. Keine Ruhe kehrt auch in den Impfstraßen und Teststationen ein, wo sich Menschen mitunter stundenlang anstellen müssen.

Und an den Schulen herrscht Ratlosigkeit wegen des Kommunikationsdesasters, das den Eltern zwar kaum die Wahl, aber sehr wohl die Verantwortung lässt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. Gleichzeitig steigern sich Impfskeptiker in eine immer größere Wut, weil sie sich von der Gesellschaft ausgestoßen fühlen.

Könnte man aus der aktuellen verheerenden Stimmungslage wenigstens irgendetwas relativ Positives herausfiltern? Nein. Außer man meint, dass der Grant auf die versagende Politik und die versagenden Institutionen quer über alle tiefen Gräben in der Gesellschaft eine Brücke bildet. Vereint in Grant, Wut und Frust: Ob das eine tragfähige Brücke in die gemeinsame Zukunft sein kann? Oder doch nur ein löchriger, wackeliger Steg? Was bleibt uns, als davon zu träumen, dass wir imstande sind, einen gemeinsamen Weg heraus aus diesem Schlamassel zu gehen!

Von
Klaus Herrmann
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Montag, 06. Dezember 2021
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