20.11.2021 07:55 |

Walchs Schwung-Ansatz

Showtime! Damit muss man im Spitzensport leben

An diesem Wochenende geht der alpine Skiweltcup der Damen mit dem Slalom-Doppel im finnischen Levi weiter. Neben Weltmeisterin Katharina Liensberger wird noch eine zweite Vorarlbergerin am Polarkreis durch den Stangenwald wedeln. „Krone Vorarlberg“-Skiexperte Magnus Walch hat in seiner Kolumne „Schwung-Ansatz“ vorab ein Auge auf die Situation seiner Lecher Nachbarin Magdalena Egger geworfen.

Bewerb Nummer drei der Skiweltcupsaison steht für die Damen heute am Programm. Nach dem Parallel-Event in Lech-Zürs ging es für die Slalomfahrerinnen direkt in den hohen Norden, um sich auf das Rennwochenende in Levi vorzubereiten. Showtime heißt es heute auch für Magdalena Egger. Hat es in der teaminternen Qualifikation für Sölden und Zürs noch nicht ganz gereicht, konnte sich die Lecherin bei den Zeitläufen für Levi gegen ihre Teamkolleginnen durchsetzen. Bei diesen Ausscheidungen kommt man schon ziemlich gut in den Rennmodus. Das erste Rennen der Saison muss sich also nicht unbedingt wie das erste Rennen der Saison anfühlen.

Der Druck nimmt durch die geschaffte Qualifikation jedoch nicht ab. Die klare Ansage der Trainer: Wer am Sonntag am Start stehen will, muss sich am Samstag beweisen. Und Zuschauen will niemand. Das bedeutet: Showtime. Manche mögen an diesem zusätzlich auferlegten Druck scheitern, nur wenige wachsen dadurch über sich hinaus. Eine Situation, die ich nur zu gut kenne. Ich habe beides erlebt: Manchmal habe ich performt, wenn es mir niemand zugetraut hat und manchmal musste ich nach dem ersten Rennen meine Koffer packen. Magdalena traue ich es voll zu, dass sie ihre Leistung heute auf den Punkt bringt und sich beweisen kann.

Apropos beweisen: Eine erfolgreiche Vergangenheit generiert oft große Erwartungshaltungen für die Zukunft. Bei anderen, vor allem aber bei sich selbst. 2019 holte Magdalena zwei Goldmedaillen beim European Youth Olympic Festival, im Jahr darauf krönte sie sich zur dreifachen Juniorenweltmeisterin. Nachdem sie letzte Saison bei ihrem erst dritten Weltcuprennen in die Punkteränge fuhr und heuer Teil der Weltcup-Technik-Trainingsgruppe ist, wäre der nächste logische Schritt die Etablierung in den Top-30 der Weltrangliste. Das ist ihr klar formuliertes Ziel. Und das erwarten - teilweise insgeheim, teilweise klar kommuniziert - auch Trainer, Sponsoren und Medien. Ach ja, da wäre ja auch noch die erfreuliche Tatsache, dass Magdalena nicht nur im Slalom auf dem Weg zur Weltspitze ist. Beim Blick auf die Weltrangliste findet man sie in der Abfahrt, der Kombination und im Super-G unter den Top 80. Eine Allrounderin. Habe ich da wirklich schon irgendwo das Wort Gesamtweltcup gehört?

Worüber man selbst noch nicht mal nachgedacht hat, nehmen andere für selbstverständlich. Damit muss man im Spitzensport leben. Diese Erwartungshaltungen machen es einem nicht immer einfach. Durchatmen. Fokus auf das, was man beeinflussen kann. Schwung für Schwung, Schritt für Schritt. Alles andere ergibt sich. Viel Spaß und alles Gute Magdalena. It’s Showtime.

Magnus Walch
Magnus Walch
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