Neue Betrugsmaschen

Abzocke nimmt im Lockdown und Advent wieder zu

Die fast vergriffene Playstation 5, eine Rolex-Uhr um 80 Prozent günstiger? Verlockende Angebote, doch leider meist eine Falle. In Lockdowns und in der Adventszeit haben Betrüger Hochkonjunktur.

Herr Maier (Name geändert) meldete sich erst vor wenigen Tagen bei der „Krone“. Er habe kürzlich eine SMS von der Post erhalten und unbedacht einen Link zur Bezahlung angeblicher Zollgebühren angeklickt. Jetzt hat er große Angst um seine privaten Daten. Ähnlich wie Herrn Maier geht es aktuell besonders vielen, denn sogenannte Smishing-SMS (das Wort setzt sich zusammen aus SMS und Phishing, also dem Fischen nach Daten) werden gerade zu Hunderttausenden an nichts ahnende Österreicher verschickt.

Die Rechnung der Betrüger geht auf, wie Jörg Kohlhofer vom LKA Wien - siehe auch Interview unten - verrät. „Bei einer derartigen Anzahl verschickter SMS kann man davon ausgehen, dass etwa zehn Prozent tatsächlich bestellt haben und auf die Postsendung warten“, so der Ermittler. Viele würden dann bedenkenlos ihre Daten preisgeben oder gar Geld überweisen.

Fehlerhaftes Impressum als schlagkräftiges Indiz
Nicht die einzige Art und Weise, mit der die Gauner, vor allem in der Adventszeit oder auch in Lockdowns, gerne ihr Konto aufbessern. Vor allem gefälschte Kopien von Onlineshops seriöser Anbieter wie etwa Media Markt, Amazon und Co. überfluten das Netz. Sie sehen täuschend echt aus, ein simpler Blick auf das fehlende oder unvollständige Impressum sowie Schreibfehler in der Internetadresse des Anbieters würde sie rasch entlarven. Und doch fielen bereits im Vorjahr fast 40.000 Österreicher diversen Online-Betrugsvarianten zum Opfer.

Zitat Icon

Im aktuellen Lockdown darf rund ein Drittel der Österreicher nicht ins Geschäft. Internetbetrug nimmt dann stark zu.

Ein Ermittler im „Krone"-Gespräch

Täter wissen, wofür man sich aktuell interessiert
Kein Wunder, denn die falschen Seiten werden vom persönlichen Algorithmus gespeist. Sucht man etwa gehäuft nach einer Playstation 5 - die aufgrund von Lieferengpässen de facto zurzeit nicht zu haben ist -, poppen auf Facebook und Co. reihenweise Anbieter auf, die ebenjene vermeintlich auf Lager haben. Doch besonders günstige Preise sind ein weiteres Indiz, das vom Kauf abhalten sollte. Denn von der bestellten Ware sieht man meist nichts. Im Großteil der Fälle ist auch das Geld, das abgebucht wurde, für immer weg.

Tipp der Ermittler: Auch wenn es mühsam ist, solle man skeptisch bleiben und recherchieren, ob es sich um seriöse Anbieter handelt. Nur dann könne man sich vor vorweihnachtlichem Frust schützen.

5 Grundregeln im Internet

  • Seien Sie misstrauisch: Hinter Versprechungen und auffällig günstigen Angeboten stecken meist auch betrügerische Absichten.
  • Schützen Sie Computer und Handy: Halten Sie Ihre Geräte, deren Betriebssysteme und Apps sowie Anti-Viren-Programme immer auf dem aktuellsten Stand.
  • Sichern Sie die Datenübertragung: Vertrauen Sie nur verschlüsselten Seiten im Internet. Sie erkennen diese an einem Schloss-Zeichen in der Adressleiste. Meiden Sie auch öffentliches WLAN, schalten Sie es aus, wenn Sie Ihr Zuhause verlassen.
  • Wählen Sie sichere Passwörter: Lange Passwörter mit Sonderzeichen und Zahlen verwenden, sonst hilft auch der Passwortmanager (zum Beispiel von Google). Halten Sie Passwörter geheim.
  • Sichern Sie regelmäßig Ihre Daten: Wichtige Daten sollten Sie mittels Backup-Software auf externen Festplatten oder Datenträgern speichern. Trennen Sie diese nach dem Aufladen mit Dateien aber immer vom System.


„Wer billig einkauft, kauft leider zweimal“

Jörg Kohlhofer vom Landeskriminalamt Wien warnt vor Leichtsinn bei Bestellungen. Denn zu 100 Prozent sicher sei man nie.

„Krone“: Herr Kohlhofer, von wie vielen Fällen an Internetbetrug reden wir in etwa?
Jörg Kohlhofer: Brandaktuelle Zahlen gibt es noch nicht, aber auf das letzte Jahr bezogen sprechen wir von rund 38.000 Fällen. Die Tendenz zeigt jedoch stark nach oben. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch um ein Vielfaches darüber.

Welche Maschen kommen besonders häufig vor?
Das sind die Smishing-Attacken, also Post-SMS, wo ich niemals auf den Link klicken sollte, da ich mir sonst eine Schadsoftware herunterlade. Und unzählige gefälschte Shops werben mit unseriösen Angeboten.

Mit welchen Folgen sind Opfer des Betruges dann konfrontiert?
Wenn Sie schon Geld überwiesen haben, ist das meist weg. Sollte man aber auch zusätzlich noch Daten eingegeben haben, können die Täter damit weiter einkaufen.

Zitat Icon

Rufen Sie die Polizei und erstatten Sie auf jeden Fall Anzeige.

Jörg Kohlhofer, LKA Wien

Was raten Sie dann Menschen, die bereits zum Opfer geworden sind? 
Bitte auf keinen Fall dafür schämen! Rufen Sie die Polizei, erstatten Sie auf jeden Fall Anzeige. Am besten mit Beweisen, also Screenshots, Bestätigungen oder auch der Homepage, auf der Sie vermeintlich gekauft haben. Dann können wir helfen, dass vielleicht eine Schadensbegrenzung eintritt. Sonst vorher schon informieren über www.fakeshop.at, um nicht auf den Leim zu gehen.

Wie kann man sich vorbereiten, um nicht zum Betrugsopfer zu werden?
Kann das möglich sein, wird mir wirklich was geschenkt? Nutzen Sie sichere Verbindungen, gibt es Zertifikate und Kundenbewertungen? Wer billig einkauft, kauft leider zweimal, zu hundert Prozent sicher ist man nie.

Was bietet die Polizei zur Unterstützung?
Wir bieten zahlreiche Workshops an: für Jugendliche, Erwachsene bis hin zu Firmen, die mit der ganzen Belegschaft teilnehmen. Es gibt Kurzvorträge von nur rund 30 Minuten bis hin zu Workshops, die den ganzen Tag über dauern. Hier werden Sie über alle Begriffe und Tatformen bis hin zur Prävention aufgeklärt. Buchen können Sie diese beim Landeskriminalamt Wien unter der Telefonnummer 0800-216-346.

Stefan Steinkogler
Stefan Steinkogler
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 06. Dezember 2021
Wetter Symbol
(Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)