25.09.2021 18:31 |

„Generation Touch“

Viele Jugendliche können nicht mehr mit PC umgehen

Personen, die nicht wissen, wie man einen PC richtig bedient, würde man eigentlich eher in den oberen Altersgruppen vermuten. Berichte aus den USA legen aber nahe, dass zunehmend auch Jugendliche, die mit moderner Technik aufgewachsen sind, massive Defizite bei PC-Basiskenntnissen haben. Viele Vertreter der heutigen „Generation Touch“ sind zum Beispiel nicht mehr in der Lage, Dateien in einer simplen Ordnerstruktur zu sichern.

Kinder und Jugendliche haben heutzutage schon in frühester Jugend Kontakt mit Computern - meist in Form von Tablets oder Smartphones. Bei vielen bleibt es allerdings auch bei dieser Gerätekategorie: Der klassische PC erfreut sich - außer bei Gamern - nicht mehr unbedingt großer Beliebtheit bei jungen Nutzern. Wie aus einem Report des US-Technologiemagazins „The Verge“ hervorgeht, hat das mittlerweile sichtbare Auswirkungen auf die IT-Kenntnisse von Jugendlichen.

Mitglieder der „Generation Touch“ seien am Beginn ihres Studiums oft mit der Bedienung klassischer PCs überfordert, berichten Dozenten und Professoren an diversen Hochschulen dem Magazin. Bei Berufseinsteigern in der Wirtschaft dürfte es sich oft ganz ähnlich verhalten.

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Sie haben keine Idee mehr davon, dass es einen Ort gibt, an dem die Dateien wohnen.

Astronomieprofessorin Saavik Ford

Ein häufig genanntes Defizit betrifft etwa das Verständnis, wie ein Computer Dateien speichert. Vielfach seien Studien- oder Berufsanfänger heute nicht mehr in der Lage, ihre Daten in einer klassischen Ordnerstruktur abzulegen. Die Astronomieprofessorin Saavik Ford: „Sie haben keine Idee mehr davon, dass es einen Ort gibt, an dem die Dateien wohnen.“ Stattdessen werde gedankenlos drauf los gespeichert, immer bessere Suchfunktionen und stets zugängliche Cloud-Speicher erledigen den Rest.

Computer wurden immer intuitiver
Dass junge Menschen nicht mehr mit Ordnerstrukturen umgehen können, ist angesichts der Entwicklung der letzten Jahre nicht überraschend: Hersteller von Betriebssystemen haben versucht, ihre Software-Lösungen intuitiv und benutzerfreundlich zu gestalten. An die Stelle von Datei-Managern sind für viele Suchfunktionen getreten. Statt Kommandozeilenbefehle in die Tastatur zu hämmern, arbeitet man sich durch hübsch gestaltete optische Menüs - oft am Touchscreen mit dem Finger. Man ist nicht mehr gezwungen, sich intensiver mit dem Computer auseinanderzusetzen.

Die Folge: Im Alltag kommt man auch ohne fortgeschrittene PC-Anwenderkenntnisse durch, im Zweifel bemüht man halt die Suchfunktion oder schaut in die Cloud. Im Berufs- oder Studienalltag sind die Defizite der „Generation Touch“ allerdings ein Problem: Wer beispielsweise in der Astronomie mit riesigen Datenmengen arbeitet, muss diese von Beginn an sinnvoll sortieren, um sie nutzbar zu machen. Selbiges gilt für viele Berufe, die ein gewisses Maß an PC-Anwenderkenntnissen und strukturiertem Arbeiten voraussetzen.

Oft braucht es schon PC-Basiskurse
Für Lehrende und Arbeitgeber haben diese Umwälzungen lästige Folgen: Vielerorts müsse man jungen Menschen, die mit Smartphones und Tablets statt mit PCs aufgewachsen sind, heute erst einmal die Computer-Grundkenntnisse beibringen, die sie im Studium oder Beruf brauchen, heißt es im Bericht. Einer der befragten Professoren berichtet sogar, dass er einen zweistündigen Kurs ins Leben gerufen habe, bloß um den vermeintlichen „Digital Natives“ simple Ordnerstrukturen begreiflich zu machen.

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