24.09.2021 06:02 |

Emotionale Debatte

Kinder geimpft: Wiener Ärztin wird angefeindet

Die Impfstoffe gegen Corona sind für Unter-Zwölfjährige noch nicht zugelassen. Dennoch lassen immer mehr Eltern ihre Kinder „off label“, außerhalb der Zulassung, impfen. Die emotionalen Reaktionen auf den „Krone“-Bericht über eine Ärztin, die auf Elternwunsch Kindern den Stich setzt, zeigt, wie verfahren die Impfdebatte ist.

Das „Krone“-Gespräch mit der Wiener Allgemeinmedizinerin Birgit Angel, die offen kundtat, auf Wunsch der Eltern schon jetzt Unter-Zwölfjährige außerhalb der Zulassung gegen Corona zu impfen, löste eine hitzige Debatte aus, die polarisierender nicht sein könnte.

Zitat Icon

Beim Impfthema gibt es keinen Graubereich, sondern nur noch Schwarz oder Weiß.

Allgemeinmedizinerin Birgit Angel

„Schon in der Früh war ich mit Beschimpfungen und Anrufen von Impfgegnern konfrontiert“, berichtet die 53-Jährige. „Auf der anderen Seite habe ich viel Zuspruch erhalten - von Familien aus ganz Österreich.“ Was stark spürbar ist: „Beim Impfthema gibt es keinen Graubereich, sondern nur noch Schwarz oder Weiß.“

Besorgte Mutter: „Von Impfgegnern umgeben“
Die Nachricht einer Oberösterreicherin hat die Medizinerin besonders berührt: „Ich bekomme jedes Mal Bauchschmerzen, wenn ich meine Töchter in die Schule bringe“, heißt es darin. „Wir sind umgeben von Impfgegnern, haben aber eine hohe Inzidenz. Die Kinder liegen mir seit Schulstart wegen einer Impfung in den Ohren, um Sicherheit zu haben.“

Andere wiederum verstehen nicht, warum Eltern nicht auf die Zulassung des Kinderimpfstoffs warten. Oder sind grundsätzlich dagegen, dass Kinder, die in der Regel nicht schwer an Corona erkranken, geimpft werden.

Vorerst nicht vorgesehen ist, dass die Covid-Impfung in den Mutter-Kind-Pass aufgenommen wird: „Das ist derzeit nicht angedacht, da auch noch keine Empfehlung für alle Altersgruppen vorliegt. Das kostenlose Kinder-Impfprogramm wird aber laufend evaluiert und gegebenenfalls angepasst“, so das Gesundheitsministerium.

Kinderimpfung: Das müssen Eltern und Ärzte rechtlich beachten
Obwohl in Österreich noch kein Covid-Impfstoff für Kinder zugelassen ist, ist der Stich auch nicht verboten. Allerdings sind bestimmte Auflagen zu beachten, sagen die Juristen der Ärztekammer. Der Impfarzt muss in jedem Einzelfall eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung sowie eine erweiterte Aufklärung vornehmen. Die Anwendung muss begründet werden, Eltern sind über die genauen Risiken aufzuklären. Kinder sollten zumindest in Grundzügen informiert werden.

Wird das alles eingehalten, müssen weder Mediziner noch Obsorgeberechtigte juristische Folgen befürchten. Ist der Stich medizinisch sinnvoll, „so können auch allfällig eingetretene Komplikationen in der Regel keine Haftung der Eltern auslösen“, heißt es. Die Ärztekammer sagt aber auch: Impfen unter 12 ist nicht empfohlen!

Anja Richter
Anja Richter
Alexander Schönherr
Alexander Schönherr
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 23. Oktober 2021
Wetter Symbol
(Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)