18.09.2021 09:39 |

Regierte 20 Jahre lang

Algeriens Ex-Präsident Bouteflika mit 84 gestorben

Der frühere algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Das berichtete das algerische Staatsfernsehen in der Nacht auf Samstag. Die Massenproteste gegen den langjährigen Präsidenten hatten das größte afrikanische Land 2019 in eine tiefe politische Krise gestürzt. Bouteflika hatte das nordafrikanische Land von 1999 an fast 20 Jahre lang mit harter Hand regiert und dabei auch den Arabischen Frühling überstanden.

Da er in seinen letzten Amtsjahren aber kaum noch öffentlich auftrat, war nur noch von dem „Phantom“ die Rede - das schließlich aus dem Amt gejagt wurde. Seine Ankündigung, trotz schwerer Krankheit und seltener öffentlicher Auftritt für eine fünfte Amtszeit kandidieren zu wollen, löste Anfang 2019 Massenproteste mit Millionen Teilnehmern aus. In der Folge zog das in Algerien wichtige Militär schließlich seine Unterstützung zurück und ließ Bouteflika fallen. Er trat zurück und machte den Weg für Neuwahlen frei.

An den Machtverhältnissen im Land änderte sich zunächst aber nur wenig, weil Bouteflika und die Machtelite des Landes ein enges Netzwerk aufgebaut hatten. Die Massenproteste hielten denn auch an - in den Straßen ist oft nicht vom Präsidenten die Rede, sondern von „le pouvoir“: der „Macht“.

Terror eingedämmt
Als Hintergrund von Bouteflikas langer Herrschaft gelten vor allem seine Erfolge als Versöhner sowie die Angst des Volkes vor Chaos und Gewalt. Als der ehrgeizige Politiker 1999 an die Macht kam, hatte Algerien einen schlimmen Bürgerkrieg mit schätzungsweise 150.000 Toten hinter sich. Bouteflika setzte sich für ein Friedensabkommen mit den Islamisten sowie eine Amnestie für Tausende islamistische Kämpfer ein. Auf diese Weise gelang es ihm, den Terror einzudämmen und das Land ein Stück weit zu beruhigen und leistungsfähiger für das 21. Jahrhundert zu machen.

Reformen vernachlässigt
Im Westen galt Bouteflika daher als verlässlicher Partner im Kampf gegen den Terror, in Algerien verblasste jedoch sein Ruf als Stabilitätsfaktor bald. Er vernachlässigte dringend benötigte wirtschaftliche Reformen. Auch einen demokratischen Wandel - der ab 2011 die Nachbarländer im Zuge des Arabischen Frühlings erfasste - ließ Bouteflika nicht zu.

In den letzten Jahren seiner Amtszeit trat der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzende Präsident kaum noch öffentlich in Erscheinung. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel musste 2017 einen Besuch in letzter Sekunde absagen, weil es der Gesundheitszustand Bouteflikas nicht zuließ.

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