18.09.2021 09:30 |

Es geht um Millionen

Brucker stimmen über Verkauf des Stadtwalds ab

Am Sonntag sind die Bewohner von Bruck an der Mur gefragt: Mit einer Volksbefragung soll ermittelt werden, ob 700 Hektar Wald im Stadtbesitz verkauft werden sollen, um Bildungsprojekte zu finanzieren - ein nicht nur politisch emotional diskutiertes Thema. Was spricht dafür und was dagegen?

Die Stimmung ist angespannt, die Diskussionen werden hitziger. Kurz vor der Volksbefragung am Sonntag ist der Waldverkauf das große Gesprächsthema am Brucker Hauptplatz. Denn die Brucker sollen mitentscheiden, ob ein 700 Hektar großes Waldstück in Zlatten verkauft wird.

Warum? Weil die städtischen Schulen dringend saniert werden müssen. 30 Millionen Euro sind dafür nötig. Bürgermeister Peter Koch (SPÖ) schlägt eine Drittelfinanzierung vor: „Jeweils zehn Millionen Euro sollen durch Förderungen vom Land, durch Darlehen und den Waldverkauf aufgebracht werden.“ Diese 700 Hektar befinden sich außerhalb von Bruck, in Zlatten, Gemeinde Pernegg.

Die SPÖ alleine auf weiter Flur
Für diesen Verkauf hätte Koch eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Gemeinderat gebraucht. Politisch steht es aber alle gegen einen. ÖVP, FPÖ, KPÖ, Grüne und Neos haben sich zur Initiative „Rettet unseren Stadtwald“ zusammengeschlossen.

„Es muss auch andere Möglichkeiten geben, das Geld für dieses Vorhaben aufzutreiben. Denn der Wald wirft nicht nur nachhaltig Erträge ab, er dient uns Bruckern auch als Naherholungsgebiet“, erklären Vizebürgermeisterin Susanne Kaltenegger (ÖVP) und Raphael Pensl (FPÖ).

Denn ist der Wald einmal verkauft, befürchten sie, steht die Benutzung für die Öffentlichkeit auf dem Spiel. Bürgermeister Koch will aber garantieren, dass dieser Fall nicht eintritt: „Wir würden den Wald nur an jemanden verkaufen, der uns verspricht, den Hüttenbetrieb aufrecht zu erhalten, nachhaltig zu wirtschaften und auch das Mountainbiken auf den vorhandenen Strecken weiterhin zu ermöglichen“ - rechtlich kann dieses Versprechen aber nicht abgesichert werden.

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Ich halte es für unverantwortlich, nur Darlehen aufzunehmen. Wir müssen ja auch an die nächste Generation denken!

Bürgermeister Peter Koch

Die nächsten acht Jahre wären gesichert
Fest steht laut Koch: „Wir benötigen jetzt mehr Plätze in Kinderkrippen und -gärten, da die Nachfrage einfach da ist.“ Wären diese Probleme mit dem Waldverkauf allesamt gelöst? „Nein, aber so schaffen wir es in den nächsten sieben bis acht Jahren, sämtliche Schulen und Kindergärten zu sanieren und zu modernisieren“, erklärt Koch. „Ich halte es für unverantwortlich, nur Darlehen aufzunehmen. Wir müssen ja auch an die nächste Generation denken!“

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Es muss auch andere Möglichkeiten geben, das Geld für dieses Vorhaben aufzutreiben. Denn der Wald wirft nicht nur nachhaltig Erträge ab, er dient uns Bruckern auch als Naherholungsgebiet

Vizebürgermeisterin Susanne Kaltenegger

Dafür haben ÖVP und FPÖ einen Gegenvorschlag: „Derzeit gibt es bei unseren städtischen Wohnungen 16 Prozent Leerstand. Das schafft ein jährliches Minus von 350.000 Euro. Würden wir das ändern, könnten wir eine große finanzielle Lücke schließen.“ Außerdem befürchtet die Opposition, dass der gesamte Forstbetrieb nach dem Verkauf defizitär werden könnte.

„Dann lasse ich sofort von dem Vorhaben ab“
Auch nach der Volksbefragung am Sonntag wird noch nichts fix entschieden sein: „Es kommt vor allem auf die Wahlbeteiligung an, ist diese zu niedrig, werden wir noch weitere Gespräche führen müssen“, erklärt Raphael Pensl. Was passiert, wenn die Bevölkerung gegen den Waldverkauf stimmen sollte? „Dann lasse ich sofort von dem Vorhaben ab“, garantiert Koch.

Andrea Dettenweitz
Andrea Dettenweitz
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