06.09.2021 11:00 |

Salmhütte

Frauenpower am Fuße des Großglockners

Die Salmhütte in den Hohen Tauern ist legendär, war der Erstbau doch die erste Schutzhütte in den Ostalpen. Heute hat eine Steirerin hier das Sagen, die ohne Samthandschuhe jede Herausforderung stemmt.

Kaum hat man als müder Bergsteiger oder Wanderer die Salmhütte betreten, fühlt man sich nicht nur wohl, sondern vor allem auch herzlich willkommen. 16 Saisonen lang schon führt die sympathische und tüchtige Wirtin Helga Pratl die Schutzhütte in 2644 Meter Höhe unterhalb des Großglockners im Kärntner Leitertal oberhalb von Heiligenblut - direkt am Weg der Erstbesteiger gelegen.

Fürstbischof Franz Xaver von Salm-Reifferscheidt hat im Jahr 1799 hier die erste alpine Schutzhütte der Ostalpen errichten lassen, durch die 1800 die Erstbesteigung des Großglockners überhaupt erst möglich wurde. „Doch der Gletscher, der damals noch wuchs, schob diese Hütte weg“, weiß Helga. Die zweite Salmhütte wurde dann 1883 eröffnet und zwischen 1926 und 1927 wurde die dritte und heutige Salmhütte gebaut.

„Ist es bei uns nicht wunderschön?“, fragt Helga und zeigt vom Küchenfenster hinauf Richtung Großglockner, der langsam von den Wolken freigegeben wird.

Obwohl die Salmhütte auch der Stützpunkt der Heiligenbluter Bergführer ist, wird der Glockner heute hauptsächlich von Osttirol aus bestiegen. „Schade eigentlich!“, so Helga. Denn die Aufstiege durchs Leitertal mit dem in Kärntens Hymne besungenen Leiterbach oder über die Stockerscharte sind nicht nur für Helga landschaftlich viel schöner: „Nur dauert der Weg eineinhalb Stunden länger und die Leute haben halt immer weniger Zeit.“

Die Salmhütte ist auch kleiner; 50 Schlafplätze finden sich hier. „Dafür aber gemütlicher, weil halt nicht so viel los ist. Auf der Erzherzog Johann Hütte spüren die Leute mehr die Höhe, sind nervöser, bei uns schläft es sich viel besser.“ Für Helga ist das Tal ein Kraftplatz; hinter der Hütte kann man oft auch die großen Steinböcke beobachten, die in den steilen Flanken des Schwertecks ruhen.

Die Salmhütte zu bewirtschaften ist schwer; keine Straße, keine Materialseilbahn führen hinauf. 20 Tonnen Lebensmittel müssen jeden Frühsommer hinaufgeflogen werden. Warum tut man sich sowas an, weil reich wird man dabei sicher nicht? „Schon früher haben wir jedes Jahr den Glockner bestiegen und wir haben immer auf der Salmhütte geschlafen. Als sie dann ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben und den Zuschlag erhalten“, so Helga: „Es stimmt. Die Arbeit hier ist ein Knochenjob, aber ich und mein Team lieben die Herausforderung.“

Denn Helga ist eine Alleskönnerin, wie alle ihrer Hüttenwirtkollegen rund um den Glockner bestätigen.

„Man muss sich einfach nur trauen“, so die gelernte Köchin, die sich aktuell gerade mit einem verstopften Abfluss herumplagen muss: „Bis ein Handwerker bei mir heroben ist, ist die Saison vorbei. Also packte Helga einen Krampen und grub rund um die Hütte sämtliche Rohre frei, um das Problem zu finden und zu lösen.

“Helga ist eine echte Powerfrau„, staunt auch Toni Riepler von der Adlersruhe, wenn Helga wieder einmal eine Herausforderung meistert. Doch nicht nur das. Jedes Jahr wird die Salmhütte von der kleinen, jedoch engagierten Alpenvereinssektion Wien gemeinsam mit Helga erweitert und modernisiert. “Heuer erhielten wir eine neue Photovoltaik-Anlage", so Helga. Das Dieselaggregat braucht es nur noch im äußersten Notfall.

Für mich ist damit jedenfalls klar, wenn ich wieder auf den Glockner gehe, dann durchs Leitertal und ich freue mich schon, Helga und ihr tolles Team dann wieder zu treffen. Berg Heil.

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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