05.08.2021 14:45 |

Vor der Neuauflage

Spielberg-Grusel: Als Motorräder zu Raketen wurden

Zwei Ex-Champions gehen mit gemischten Gefühle beim Ritt in Spielberg ab Freitag an den Start: Valentino Rossi entging im Vorjahr nur um Haaresbreite einer Tragödie, Maverick Vinales musste nach Bremsdefekt bei 218 km/h abspringen. „Die Fahrer müssen mit Hirn fahren“, weiß ServusTV-Experte Alex Hofmann. 

Zweimal hielt die Motorrad-Welt im Vorjahr beim Doppel auf der Alpen-Achterbahn von Spielberg den Atem an.

Ein Horrorcrash überschattete das erste Rennen: Nach einem Überholmanöver von Johann Zarco donnerte Franco Morbidelli dem Franzosen, der plötzlich bremste, im Vollgasabschnitt vor Kurve 2 aufs Hinterrad - beide stürzten und ihre Bikes wurden zu unkontrolliert fliegenden Raketen. Nur um Zentimeter wurden Neunfach-Weltmeister Valentino Rossi und Maverick Vinales, die gerade durch die 90-Grad-Kurve darüber rasten, verfehlt.

„Er (Zarco) ist ein halber Mörder“, tobte Morbidelli bei Sky Italia, „wenn man bei 300 km/h so bremst, dann hat man nichts für die Fahrer übrig, gegen die man fährt.“ „Hier fehlt der Respekt für den Gegner total“, schluckte Rossi, der beim ersten Video-Studium in der Box die Hände vors Gesicht hielt. „Da hat mein Schutzengel gute Arbeit geleistet!“

Buhmann Zarco wurde für das zweite Rennen mit einem Start aus der Boxengasse bestraft. Auch für heuer hat Yamaha-Star Rossi kein gutes Gefühl - allerdings sportlich: „Ich denke, dass wir auf dem Kurs in Österreich unsere Stärken nicht ausspielen können.“

Im zweiten Rennen erlebte Maverick Vinales (2013 Weltmeister der Moto3-Klasse) nach Bremsversagen seiner Yamaha den nächsten Schock. Bei 218 km/h musste er vor der Lauda-Kurve abspringen - sein Bike donnerte in den Air Fence, fing Feuer. „Das geht auf meine Kappe“, schluckte der Spanier, „ich hätte früher aufgeben müssen.“ Nachsatz: „Das waren wirklich zwei absurde Wochenenden.“

Neue Leitschiene
Klar kochte das Thema Sicherheit hoch: Noch vorm zweiten Rennen wurde eine zusätzliche Leitschiene vor Kurve 3 hochgezogen und das Kiesbett verbreitert. Einige Piloten forderten den Einbau eine Schikane vor Kurve zwei - was aber nicht geschah: „Totale Sicherheit wird’s leider nie geben“, seufzt Motorsport-Experte Gustl Auinger.

„Letztes Jahr hatten die Fahrer alle Schutzengel dieser Welt am Start. Trotzdem müssen sich die Fahrer diese Bilder ganz bewusst ansehen - bei aller Brutalität. Sie müssen daraus lernen“, meint ServusTV-Experte Alex Hofmann zum Thema.

„Konnten sie nach einer halben Stunden ausblenden“
„Solche Szenen sind zu vermeiden. Die Fahrer müssen mit Hirn fahren, um nicht in solche brenzligen Situationen zu kommen. Sie müssen in jenem Rahmen fahren, in dem sich auch noch reagieren können. Denn so viele Schutzengel wie im Vorjahr werden nicht immer da sein. Es war nur Glück, dass letztes Jahr nicht mehr passiert ist“, sagt der ehemalige MotoGP-Fahrer. Dass die Bilder aus dem Vorjahr negative Einflüsse auf die Psyche der Piloten haben, glaubt Hofmann nicht: „Das konnten sie schon letztes Jahr eine halbe Stunde nach dem Vorfall ausblenden. Damit können die Fahrer ein Jahr danach gut umgehen."

Christoph Kothgasser
Christoph Kothgasser
Volker Silli
Volker Silli
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