"Krone"-Kommentar

Die Geheimnisse des Alltags

Steiermark
22.02.2011 17:13

1.) Einmal noch "Alles Müller - oder was?"

Es geht um diesen Edmund Müller, der als Grazer SP-Chef einen Pensionsanspruch von rund 6.500 Euro monatlich behalten darf, obwohl er als Geschäftsführer des Joanneum Research selbst gekündigt hat. Die Politik macht's möglich.

Leser rufen mich an und fragen, wie es das gibt; einer spricht von einem "System Müller", das längst Einzug gefunden habe in der Politik. Schamlos nennt man das.

Nein, auch Edmund Müller schämt sich nicht.

2.) Mein Kollege Gerald Richter, bestens vernetzt in der Grazer Polit-Szene, hat ein paar Hintergrundgespräche geführt. Ergebnis: Viele Rote ahnen schon, dass sie mit Müller einen Fehlgriff getan haben könnten. Natürlich ging's dabei auch um die Pensions-Million; noch viel mehr aber entsetzte die Genossen die politische Ahnungslosigkeit, die Müller in den ersten Interviews zeigte.

Aber die Grazer SPÖ hat keine Alternative zu Edmund Müller.

Ja, es sieht traurig aus in der roten Stadtpartei, die einst mit einem Alfred Stingl in lichten Höhen schwebte. Der arme Mann muss wohl den ganzen Tag schluchzen, wenn er an Müller als einen seiner Nachfolger denkt.

3.) Anderes Thema. Garmisch-Partenkirchen ist tot, es lebe Schladming! Die Steiermark darf ruhig schon jetzt stolz sein, mit der Ausrichtung der Ski-WM 2013 beauftragt worden zu sein. Und ich prophezeie, dass die Schladminger Weltmeisterschaft, unabhängig von rot-weiß-roten Erfolgen, besser sein wird.

War das nicht ein trauriges Bild, als man nur ein schmales Kunstschneeband sah, auf dem die Tore ausgesteckt waren, während rundherum braune Landschaft wahrlich nicht Lust auf einen Skiurlaub in Garmisch machte?

Das wird in Schladming anders sein. Die Schneesicherheit zeichnet diese Region aus; eine bessere Tourismuswerbung kann es nicht geben.

Kurzum: Touristisch wird die Steiermark enorm profitieren, und das ist gut so.

4.) Und schon sind wir wieder bei der Politik und ihren Abgründen. Die ersten Querschüsse werden abgefeuert - zum Schaden der Steiermark.

Just die KPÖ, die in den vergangenen Jahren unter einem Ernest Kaltenegger mit Einsatz, Herz und dem richtigen G'spür für die Menschen ihre größten Erfolge einfahren konnte, just diese KPÖ macht die Ski-WM 2013 jetzt madig. Sie fürchtet eine Kostenexplosion, wirft mit absurden Millionenbeträgen herum und verlangt allerlei Blödsinniges.

Jetzt mag ja schon stimmen, dass diese Riesenveranstaltung allerlei an steirischen Geldmitteln verschlingt. Der Gegenwert aber wird mit Gold nicht aufzuwiegen sein.

Liebe rot-roten Kameraden, Umwegrentabilität nennt man das. Ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder?

5.) Apropos Geld: Nach wie vor dringt so gut wie nichts über das Sparpaket, das uns demnächst überrollen wird, an die Öffentlichkeit, nur soviel: Die 25 Prozent, die laut Landeshauptmann Franz Voves vom Gesamtbudget eingespart werden sollen, die werden nicht annähernd erreicht werden. Wie soll das auch gehen?

Um 800 Millionen einzusparen, müssten Krankenhäuser geschlossen, Hundertschaften von Beamten entlassen und jegliche Investitionen gestrichen werden. Die Folge wären wiederum tausende Jobs, die verlorengingen. Und Arbeitslosigkeit kostet enormes Geld.

Man darf gespannt sein, was Voves & Co. uns da verkaufen werden.

Wie auch immer: Sieger wird es keinen geben.

6.) Schluss mit der Politik, es gibt auch noch was anderes im Leben. Zum Beispiel der Alltag, an dem ich mindestens zweimal täglich den Dietrichsteinplatz überqueren muss. Dieser Platz ist ein Phänomen: Aus allen Richtungen strömen die Autos heran, Ampeln gibt es keine - und trotzdem kracht's so gut wie nie.

Man muss hinter dem Steuer ein bissl mutig sein; man hat das Gefühl: Der Stärkere gewinnt.

Ich habe Bürgermeister Siegfried Nagl dazu einmal befragt. "Keine Ahnung, wie der Dietrichsteinplatz funktioniert!", antwortete er, "aber er funktioniert!"

Ich nenne dieses Phänomen "Kleines Geheimnis des Alltags".

von Christoph Biró, "Steirerkrone"

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