18.07.2021 11:00 |

Bilanz liegt vor

TSD GmbH: 1,5 Millionen Euro Minus im Jahr 2020

Die Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) sorgt seit Jahren für Diskussionen. Trotz abgeschlossenem U-Ausschuss sind noch viele Fragen offen - die „Krone“ berichtete. Inzwischen liegt immerhin die Bilanz für das Geschäftsjahr 2020 vor. Es wurde erneut ein Minus verzeichnet - und zwar von 1,5 Millionen Euro. Zudem sorgen Hunderte verschenkte Metallbetten und abgestellte Container für Wirbel. Herbe Kritik hagelt es von der Liste Fritz.

Auch wenn die Zahlen der Asylwerber in Tirol rückläufig sind, bleibt die Tiroler Soziale Dienste GmbH im Fokus des Interesses – vor allem weil das Unternehmen ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Landes Tirol ist und von Steuerzahlern finanziert wird.

„1259 Menschen werden derzeit betreut“
Aktuell betreibt die TSD GmbH, die hilfsbedürftige Menschen gut versorgt und ihnen ein Dach über dem Kopf gibt, 54 Einrichtungen. „1259 Menschen werden in organisierten Unterkünften betreut. Die momentane Auslastung der Einrichtungen beläuft sich auf 62 Prozent. Um die Corona-Schutzkonzepte möglichst gut umsetzen zu können, wird eine gleichmäßige Auslastung aller Unterkünfte angestrebt. Für einen akuten Versorgungsbedarf von Menschen werden bewusst Plätze vorgehalten“, erklärt Florian Stolz von den TSD.

Auf interessante Aspekte innerhalb der TSD weist die Liste Fritz in Form eines schriftlichen Antrages im Tiroler Landtag hin. Im Zuge der Auflösung eines Materiallagers in Hall sollen ein paar hundert Metallbetten nach Rumänien verschenkt und nicht verkauft worden sein. Weitere hundert Metallbetten sollen noch in Tirol sein. Und im Gemeindegebiet von Telfs soll die TSD GmbH seit Jahren 15 Container abgestellt haben, die dort herumstehen. Was hat es mit all dem auf sich?

„Verkaufsbemühungen hat es viele gegeben“
„Etwas mehr als 100 Betten sind an die Caritas Rumänien übergeben worden. Dem sind zahlreiche nicht erfolgreiche Verkaufsbemühungen vorausgegangen. Im Sinne der Nachhaltigkeit wurde entschieden, dass die Betten nicht verschrottet werden. Eine Sozialorganisation wie die TSD hat den Anspruch, sozial zu handeln“, erläutert Stolz.

„Es ist wichtig, Material wie Betten und Container vorzubehalten“
Zentrale Aufgabe des Unternehmens sei die Versorgung von Menschen. „Um dem nachzukommen, ist es wichtig, Material wie Betten und Container vorzubehalten. Die TSD GmbH möchte damit auf möglichst viele Eventualitäten vorbereitet sein. Für die Lagerung der verbliebenen Betten sowie der Container fallen keine zusätzlichen Kosten an. Die momentan eingegangenen Kaufangebote für die Container werden gerade geprüft“, versichert Stolz.

„Ergebnis hat sich um rund 40,5% verbessert“
Mit den Finanzen der TSD sah es in den vergangenen Jahren bekanntlich nicht rosig aus. 2018 wurde ein Minus von 3,6 Millionen Euro verzeichnet, 2019 wurde ein Minus von 2,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Nun liegt auch die von vielen langersehnte Bilanz 2020 vor.

„Die Gewinn- und Verlustrechnung weist für das Geschäftsjahr 2020 einen Jahresfehlbetrag in der Höhe von 1,499,63 Millionen Euro aus. Das Ergebnis hat sich im Vergleich zum Vorjahr um rund 40,5 Prozent verbessert und liegt damit im Rahmen der Erwartungen für dieses Geschäftsjahr. Auf Grundlage des Budgets für das Jahr 2020 wurde der Tiroler Soziale Dienste GmbH vom Land Tirol ein Betriebszuschuss gewährt, deshalb beträgt der Bilanzgewinn für das Geschäftsjahr 2020 null Euro“, zeigt Stolz im Detail auf.

Einmalzahlung für Mitarbeiter
Wurde den Mitarbeitern ein Corona-Bonus bezahlt? „Der professionelle Umgang mit dieser Herausforderung wurde in Form einer Einmalzahlung wertgeschätzt. Dies ist Thema der SWÖ-KV-Verhandlungen, die österreichweit stattfinden“, sagt er.

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„Der professionelle Umgang mit dieser Herausforderung wurde in Form einer Einmalzahlung wertgeschätzt."

Florian Stolz, Tiroler Soziale Dienste GmbH

„Hier fehlt seit Jahren ein vernünftiger Plan“
„Jedes Jahr mussten die Tiroler Steuerzahler bei den TSD zuschießen und das Minus ausgleichen. Es ist klar, dass Sozialpolitik kein Geschäft ist und auch keines sein muss, aber bei der TSD fehlt seit Jahren ein vernünftiger Plan, wie dieses jahrelange Minus einzudämmen ist. Dafür trägt die politisch zuständige Grünen-Landesrätin Gabriele Fischer die Letztverantwortung“, so Liste Fritz-LA Markus Sint, „nach sehr turbulenten Zeiten hat sie inzwischen die vierte Geschäftsführung installiert, die großen Baustellen bleiben allerdings“.

„TSD GmbH lässt wertvolles Material vergammeln“
Auch die Steuergeldverschwendung gehe weiter. „Einerseits schreibt die TSD jedes Jahr ein dickes Minus, andererseits lässt sie wertvolles Material vergammeln und verschenkt es sogar. Die Container in Telfs werden durch das Herumstehen nicht wertvoller, trotzdem kümmert sich niemand darum. Wie bei den Traglufthallen wird die TSD fürs Verschenken der Container noch Tausende Euro Steuergeld dazu zahlen müssen. Mit den Metallbetten ist es nicht anders“, kritisiert er.

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"Die Container in Telfs werden durch das Herumstehen nicht wertvoller, trotzdem kümmert sich niemand darum."

Liste Fritz-LA Markus Sint

„Einmalige Wertschätzung ist zu wenig“
Die Mitarbeiter verdienen nicht nur „Planbarkeit“, sondern auch einen Corona-Bonus. „Wenn bei der TSD für alles Geld da ist, dann muss es zuallererst für die Mitarbeiter da sein, die in der Corona-Zeit einen besonders harten Job hatten. Eine einmalige Wertschätzung für tagtägliche Knochenarbeit ist da zu wenig“, verdeutlicht der Politiker.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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