05.07.2021 15:25 |

Wurde 90 Jahre alt

Trauer um Bill Ramsey: Schlagerstar ist gestorben

Trauer um Schlagerstar Bill Ramsey. Der Musiker, der mit Hits wie „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, „Pigalle“ oder „Zuckerpuppe“ berühmt wurde, ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Erst im April hatte der Sänger seinen runden Geburtstag in aller Stille gefeiert.

Bill Ramsey musste sich gesundheitsbedingt bereits vor einigen Jahren aus der Öffentlichkeit zurückziehen, nachdem er noch bis ins hohe Alter Schaffenskraft für seine Leidenschaften Jazz und Blues gezeigt hatte. Am 1. März 2019 lief zuletzt seine Radiosendung „Swingtime“, die er über 30 Jahre im Hessischen Rundfunk moderierte. Im Juli 2018 fand sein letztes Konzert in Darmstadt statt. Kurz danach machte der seit Langem mit seiner vierten Frau in Hamburg lebende Ramsey eine Parkinson-Erkrankung öffentlich.

US-Amerikaner machte in Deutschland Karriere
Geboren wurde Ramsey am 17. April 1931 in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio. Die Mutter war Lehrerin, der Vater machte Öffentlichkeitsarbeit für einen US-Konzern. Das führte auch dazu, dass der kleine Bill bereits mit acht Jahren für Backfett Werbung machte.

Mit der Musik kam Ramsey in seiner damals vor allem für Bluesproduktionen bekannten Heimatstadt wie von selbst in Berührung. Als die Jazzlegende Ella Fitzgerald ihn singen hörte, habe sie die Augen geschlossen, erzählte Ramsey später gern. „Wer Dich nur hört, denkt, Du bist schwarz“, habe sie ihm dann gesagt.

Ob er womöglich in den USA bei so viel Zuspruch eine noch größere Karriere gemacht hätte? Doch führten ihn die Wirrungen der Nachkriegszeit nach Deutschland. Ramsey wurde von der US-Armee eingezogen und kam 1952 als junger GI nach Frankfurt. Dort konnte sich Ramsey bald beim US-Militärsender AFN als Chefproduzent ganz der Musik widmen.

Im Frankfurter Jazzkeller begegnete er 1954 Heinz Gietz, einem führenden deutschen Musikkomponisten und Produzenten. Gietz brachte Ramsey zunächst beim Film unter, wo er in mehr als 20 Streifen mitspielte. 1957 dann fragte Gietz Ramsey, ob er eine Platte machen wolle. Bei der Frage „Willst du Rock ‘n‘ Roll oder lieber was Lustiges singen?“ entschied sich Ramsey für das Lustige.

Hits mit einem Augenzwinkern
Damals schien niemand zu verstehen, dass die von vielen als albern wahrgenommenen Ramsey-Hits bewusst kabarettistisch angelegt waren. „Die Lieder waren ein Spiegelbild der Wirtschaftswunderzeit,“ sagte er einmal. Das „Pigalle“ habe sich auf die deutschen Kegelklubs bezogen, die nach Paris reisten. Sein erstes Nummer-eins-Lied „Souvenirs“ persiflierte die ersten deutschen Urlauber, die nach Italien reisen konnten und mit Taschen voller Andenken zurückkehrten.

So plötzlich der Schlagererfolg da war, so schnell ebbte er aber auch wieder ab. Schon wenige Jahre nach seinen Hits formulierte Ramsey den Wusch, „endlich einmal ohne Grimassen akzeptiert“ zu werden. Mit Paul Kuhn am Piano produzierte er eine Bluesplatte.

Seine Leidenschaft gehörte dem Blues
Für Ramsey wurde diese Produktion Mitte der 60er-Jahre zu einer Wegscheide: Von da an nahm er keine Schlager, sondern fast ausschließlich Lieder in seiner Muttersprache Englisch auf und produzierte fast nur noch Jazz und Blues. Aber gleichzeitig schloss er nie endgültig mit der lukrativeren leichten Unterhaltung ab.

Ramsey wurde mit seinen alten Hits Dauergast in Fernsehsendungen. Er moderierte zudem selbst Fernsehshows, etwa „Das waren Hits“ für das ZDF oder den als Vorläufer heutiger Castingformate geltenden ARD-„Talentschuppen“.

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