Parov Stelar

„Malen ist meine Form der Therapie“

Die Musikwelt hat er bereits erobert, jetzt ist Electroswing-Star Parov Stelar ausgezogen, um die Kunstwelt aufzumischen. In seiner neuen Schau in Linz sprach er mit uns über Ängste, Kreativität und fleckige Malerhosen.

Krone: Fast alle der rund 20 Gemälde, die in der neuen Ausstellung im Francisco Carolinum zu sehen sind, sind aus dem Jahr 2021. Was hat heuer diesen kreativen Schwall ausgelöst?

Parov Stelar: Das ist noch gar nichts, da gibt es noch 40 weitere! Ich liebe es, etwas zu kreieren, und wenn die Musik grad nicht möglich ist, mache ich halt etwas anderes. Es hat eigentlich ganz gut gepasst, ich wollte sowieso mal eine Pause in der Musik machen. Daher habe ich jetzt in der Pandemie die Malerei in den Vordergrund gestellt, die die letzten Jahre eh zu kurz gekommen ist.

Sie leben auf Mallorca, Spanien wurde von der Coronakrise schwer getroffen. Wie haben Sie das erlebt?

Vor allem zu Beginn war es sehr dramatisch, da ist das Militär aufgefahren und die Restriktionen waren sehr streng. Es war eine Katastrophe.

Konnten Sie in der Zeit überhaupt nach Hause nach Oberösterreich?

Das ging schon, aber es war der Flugverkehr natürlich schon zeitweise ausgesetzt, da habe ich per Skype, Zoom oder Telefon den Kontakt zu Familie und Freunden in Oberösterreich gehalten. Diese Kontakte sind mir sehr wichtig und sie sind auch nie abgerissen.

Was hat Sie die Pandemie über Sie selbst gelehrt?

Meine Bilder sind das Ergebnis dessen, was mir in dieser Zeit durch den Kopf gegangen ist. Ich habe viel Zeit in Isolation verbracht, außerdem musste ich auch noch meine Scheidung verarbeiten, ich wurde also von mehreren Seiten emotional berührt. Dieser ganze Stillstand hat dann eine vorher zugemauerte Tür für mich sichtbar gemacht, und ich habe lange überlegt, ob ich durchgehen soll. Ich habe aber jetzt gelernt, dass es mir hilft, meine Ängste und Geister sichtbar zu machen. Dadurch verlieren sie ihren Schrecken. Das Malen ist meine Form der Therapie.

Ist Malen die bessere Therapie als Musikmachen?

Musik ist flüchtiger, eine Momentaufnahme. Bei einem Konzert schaukeln sich die Emotionen geballt hoch, Kunst dagegen muss wirken. In zwei Jahren sieht man vielleicht wieder etwas anderes darin als jetzt.

Wie ist der Entstehungsprozess Ihrer Gemälde?

Am Anfang ist es ein Gefühl, das Thema erkenne ich oft erst im Nachhinein. Zu Beginn sitze ich am Computer, mache einen Entwurf. Ich bin ja gelernter Grafiker. Da morphe ich intuitiv mehrere Menschen zusammen, sodass neue Gesichter entstehen. Dann geht’s an die Leinwand. 14, 16 Stunden durchgehend. Ich kann keine Pausen machen, ein halbfertiges Bild verliert für mich an Glanz. Durchs Malen verändert sich die Aussage teils dann noch stark, auch wenn das Motiv bleibt.

In vielen Bildern sind kurze Statements eingebettet.

Typografie reizt mich. Ich bin draufgekommen, dass, wenn ich Text ins Bild gebe, noch mehr Interpretationsspielraum möglich ist. Die Leute fangen dann erst richtig an, zu überlegen: „Was meint der damit?“ Für jeden bedeutet es etwas anderes.

Ihre Mutter ist ja selbst auch Künstlerin, wie hat Sie das beeinflusst?

Meine Schwester und ich sind neben Kunst aufgewachsen, für mich ist es normal, dass es keine saubere Hose im Haus gibt. Das war aber einfach ihre Arbeit, gar nicht groß überhöht.

Jetzt wächst Ihr neunjähriger Sohn auch zwischen Atelier und Tonstudio auf.

Ja, der lebt das komplett mit, malt auch schon, aber ohne Druck von mir. Es ist sehr spannend für mich, zu hören, wie er meine Gemälde interpretiert. Die düsteren Bilder mag er nicht so und die ganz oagen Motive, vor allem wo der Papa selbst sichtbar ist, die halte ich eher fern von ihm.

Der Titel der Ausstellung, die heute, Donnerstag, eröffnet wird, ist „I’ll Be OK Soon“ - das hat auf Instagram Sorge um Sie ausgelöst, ist aber ein Zitat aus einem Ihrer Bilder. Warum dieser Titel?

Eigentlich ist dieser Titel meine größte Angst. Denn was gibt es langweiligeres als einen Künstler, dem es gut geht? Der braucht ja dann nix mehr machen. Natürlich will jeder sein Seelenheil finden, aber vielleicht wäre das Leben gar nicht so spannend, wenn wir alle schon erleuchtet wären.

Wie tief müssen Kunstfans eigentlich in die Tasche greifen, um sich einen echten Parov Stelar ins Wohnzimmer hängen zu können?

Die mittelgroßen Motive starten bei rund 18.000 Euro, bei rund 45.000 Euro für die größeren Bilder ist derzeit die Obergrenze.

Parallel zur Malerei geht es langsam auch mit den Live-Auftritten wieder los.

Ja, grade haben wir bei Louis Vuitton in Paris auf einer Hochzeit gespielt, heuer werden es noch rund zehn Konzerte werden. 2022 ist aber dann schon wieder komplett ausgebucht...

Ausstellung: Parov Stelar, „I’ll Be OK Soon“, Francisco Carolinum Linz, bis 15.9. www.ooelkg.at 

Jasmin Gaderer
Jasmin Gaderer
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Donnerstag, 23. September 2021
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