Milliardengeschäft

US-Behörden jagen mit "Wanted"-Liste Kassenbetrüger

Ausland
08.02.2011 09:33
Massenmörder, Drogenbarone und Vergewaltiger - normalerweise sind sie die Einserkandidaten für die bei US-Behörden besonders beliebten "Most Wanted"-Listen. Vor Kurzem hat sich jetzt auch das US-amerikanische Gesundheitsministerium eine derartige Pranger-Liste zugelegt - und zwar für Krankenkassenbetrüger.

Die Schurken, die mit gefälschten Rezepten und fingierten Übernahmeforderungen die staatlichen Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid betrügen, kosten den US-Steuerzahler mittlerweile unglaubliche 60 Milliarden Dollar pro Jahr.

An der Spitze der "Most Wanted" des Gesundheitsministeriums steht ein Brüder-Trio Namens Carlos, Luis und Jose Benitez. Die drei betrieben in Florida mehrere Kliniken und verrechneten mit den beiden staatlichen Kassen über die Jahre insgesamt 119 Millionen Dollar für HIV-Behandlungen, die nie stattfanden und großteils auf Patienten geschrieben wurden, die sie gar nicht brauchten. Mit dem Geld kauften die Brüder Häuser, ein Hotel und Luxusjachten, ehe sie sich Richtung Kuba absetzten.

Großbetrug auf dem Rücken ahnungsloser Patienten
Eine andere flüchtige Betrügerin, Susan Bendigo aus Kalifornien, cashte 17 Millionen Dollar mit ihrem Pflegeunternehmen ab. Sie kassierte von Medicaid Zuschüsse für Personalkosten, beschäftigte statt ausgebildeten Pflegern aber billige Laien.

Die Betrüger stammen häufig aus dem Gesundheitswesen und nützen Kontakte zu Patienten - bevorzugt Mittellose und Zugewanderte mit Sprachbarriere -, um ihre kriminellen Machenschaften aufzubauen, erklärt Lenoard Nwafor vom Generalinspektorat des Ministeriums. So bauten die Schwester Clara und Caridad Guilarte ihren Medikamenten-Betrug mithilfe ahnungsloser Klinikpatienten auf, denen sie für eine Unterschrift einen kleinen Teil der Beutesumme als vermeintliches Patientenunterstützungsgeld überließen.

"Jeder, der eine Bank überfällt, kommt in die Zeitung"
"Wir brauchen diese Liste, um Druck auf die Flüchtigen machen zu können", zitiert die Associated Press den stellvertretenden Generalinspektor Gerald Roy. "Jeder, der eine Bank überfällt, und selbst wenn er nur 3.000 oder 4.000 Dollar klaut, kommt in die Zeitung. Diese Leute erbeuten viel mehr auf weit weniger spektakuläre Weise und belasten das System trotzdem enorm."

Wie dreist die amerikanischen Kassenbetrüger sind, zeigt der kürzlich aufgeklärte Fall eines Orthopädiebedarf-Händlers in Los Angeles. Er stellte Medicare rund eine Million Dollar für angeblich verkaufte Rollstühle in Rechnung. Tatsächlich benützte der Mann seine Kundenkartei und fälsche Anträge und Rechnungen. Man erwischte ihn, als er einem Blinden einen Rollstuhl mit Elektromotor verkaufte.

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