25.06.2021 10:26 |

Erlitt Herzstillstand

Toter fuhr in Zürich sechs Stunden mit Bim

Wo bleibt die Zivilcourage? Ein Schweizer fuhr wie jeden Tag mit der Straßenbahn zur Arbeit. Doch dann erlitt der 64-Jährige einen Herzstillstand. Niemand half dem Mann. Erst nachdem die Leiche sechs Stunden lang durch Zürich gefahren war, reagierte eine Frau. Doch dann war es bereits zu spät.

Die Kinder des Verstorbenen sind schockiert. „Weder dem Zugführer noch den anderen Passagieren fiel etwas auf. Mein Vater fuhr stundenlang leblos in der Straßenbahn mit“, so der 40-jährige Sohn. Erst nach sechs Stunden informierte eine Frau den Bimfahrer, der den Notruf wählte.

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Videoaufnahmen der Verkehrsbetriebe Zürich zeigen, dass er bereits kurz vor der Haltestelle Lochergut eingesackt war und regungslos sitzen blieb.

Die Angehörigen des 64-Jährigen

„Videoaufnahmen der Verkehrsbetriebe Zürich zeigen, dass er bereits kurz vor der Haltestelle Lochergut eingesackt war und regungslos sitzen blieb“, berichten die Angehörigen. Die Kinder des Toten sind enttäuscht, dass niemand dem Vater half.

„Menschen nehmen Umwelt gar nicht mehr wahr“
„Zivilcourage ist leider nicht mehr alltäglich. Die Leute sind heutzutage zu sehr auf sich konzentriert und nehmen ihre Umwelt gar nicht mehr wahr“, so der Sohn. Melanie Wegel von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften beschäftigt sich mit dem Thema Zivilcourage und spricht von einem tragischen Einzelfall: „Sechs Stunden ist eine sehr lange Zeit.“

Auch in Wien kam es 2015 zu einem ähnlichen Tragödie: Ein Obdachloser starb in einem Lift in der U-Bahn-Station Volkstheater. Erst nach fünf Stunden wurde die Rettung alarmiert.

Kronen Zeitung

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