Rehkitze in Gefahr

Rettung aus der Luft und vom Boden aus

Steiermark
15.06.2021 06:30

Die Mähsaison fordert auf steirischen Wiesen einen hohen Blutzoll, 2500 winzige Rehkitze sind es offiziell, die jährlich den Tod finden oder verstümmelt werden. Doch Hilfe kommt aus der Luft und vom Boden!

Ihr angeborener Instinkt ist es, sich bei Gefahren ganz tief ins Gras zu ducken. Das in Kombination mit den Mähmaschinen (mit schärfsten Messern, die heutzutage mit einer Geschwindigkeit unterwegs sind, die keinem Wildtier eine Chance lässt) kostet in der Steiermark Zigtausenden Tieren das Leben. 2500 Kitze sind es offiziell, die Dunkelziffer dürfte bei einem Vielfachen liegen. Und ein verstümmeltes Rehbaby mit Beinen, die abgesäbelt wurden – das ist ein Anblick, den selbst erfahrene Jäger oder Landwirte kaum ertragen. Heuer war und ist das Problem besonders evident, da witterungsbedingt die Mähzeit derzeit erst ihren Höhepunkt hat. Und damit mit der Reh-„Kinderstube“ zusammenfällt. Zigtausende hilflose Winzlinge werden von der Mutter im hohen Gras abgelegt.

Die gute Nachricht dazu: So kompetent war aber auch die Hilfe noch nie. Die Jägerschaft bietet dahingehend ja kostenlos ihre Hilfe an, geht die Wiesen ab und holt Kitze heraus – die Jäger müssen lediglich vom Landwirt verständigt werden! Die „Kitzretter“, die schon fluchtfähige Tiere mittels Sirenenton auf dem Mähgerät aus der Gefahrenzone verscheuchen und heuer – wie berichtet – für Waidmänner und Bauern günstiger zu erwerben waren, haben bislang sicher schon Tausende Kitze gerettet. Und: Auch Drohnen werden immer öfter angefordert, die Hilfe aus der Lust ist schon sehr effektiv.

„Anfragen dazu bitte an die örtliche Jägerschaft, die sicher weiterhelfen kann“, so der Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof. An der Vernetzung der Dienste über eine Plattform arbeite man; er hofft, dass diese schon nächstes Jahr effektiv einsatzbereit ist.

Mit großer Sorge beobachten Tierfreunde aber eine Entwicklung auf sozialen Medien. Da lassen sich Menschen feiern, die ein Kitz vor dem Mähtod gerettet haben – posieren dann aber damit. Im schlimmsten Fall nur mit Handschuhen, das Kitz vielleicht noch eng an den Leib gedrückt (siehe Bild unten)! Was für eine Ignoranz und Dummheit – damit wird riskiert, dass das Muttertier ihr Junges verstößt. Und dieses damit zwar die messerscharfen Klingen überlebt hat – aber dafür einen schrecklichen Hungertod stirbt.

Mayr-Melnhof: „Das Kitz muss mit Handschuhen und dicken Grasbüscheln berührt und auf schnellstem Weg an den Rand der Wiese gebracht werden. Für Posen ist da keine Zeit, das Ganze ist ja auch Stress fürs Tier.“ Bitte (siehe Bild unten) beachten!

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