Polizist mitgeschleift

Pkw-Lenker hält bei Fluchtfahrt Koran aus Fenster

Dramatische Szenen haben sich am späten Mittwochabend in Linz abgespielt: Im Zuge einer Routine-Fahrzeugkontrolle sollte ein Pkw angehalten werden. Doch der Fahrzeuglenker, ein 23-jähriger Bosnier, gab plötzlich Gas. Es entwickelte sich eine wilde Verfolgungsjagd. Bei einem ersten Versuch, das Fahrzeug zu stoppen, wurde ein Polizist mitgeschleift und verletzt. Brisantes Detail: Wie die „Krone“ erfuhr, soll der Verdächtige während der Flucht immer wieder Auszüge aus einem Buch - es dürfte sich um den Koran gehandelt haben - aus dem Fenster seines Wagens gehalten haben.

Kurz vor 23 Uhr wollten die Beamten den Pkw auf der Wiener Straße kontrollieren. Der extrem langsam fahrende Lenker missachtete mehrere Anhalteversuche und hielt laut „Krone“-Informationen immer wieder sein Handy mit Koran-Bildern aus dem Fenster. Weitere Streifen wurden zur Unterstützung angefordert. Schließlich setzte sich ein Polizeiauto vor den verdächtigen Wagen. Kurz vor der Auffahrt zur A7 konnte er so gestoppt werden.

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Plötzlich fuhr der Lenker wieder an und schleifte den Beamten auf der Fahrerseite ca. 50 Meter mit.

Aus dem Einsatzbericht der Polizei

Ein Polizist näherte sich, öffnete die Fahrertür und sprach den 26-Jährigen an bzw. versuchte den Lenker im Pkw zu fixieren. Ein zweiter Beamter sicherte von vorne, ein weiterer wollte von der Beifahrerseite aus den Fahrzeugschlüssel abziehen. Doch plötzlich trat der 26-Jährige erneut aufs Gas, wobei ein Beamter rund 50 Meter weit mitgeschleift wurde. Er sowie einer seiner Kollegen wurden dabei verletzt.

Der Flüchtige setzte laut „Krone“-Informationen seine Fahrt auf der A7 mit weit überhöhter Geschwindigkeit unbeirrt fort. Mehrere Male versuchten Streifenwagen den Wagen zu stoppen. Der Verdächtige rammte dabei die Polizeiautos und versuchte so seine Verfolger abzudrängen. Währenddessen zeigte der Mann laut Polizei immer wieder Koran-Seiten durch das Seitenfenster seines Wagens.

Fluchtwagen mehrfach gerammt
Erst durch mehrmaliges Rammen im Bereich der Ausfahrt Dornach konnte der Pkw des Flüchtigen schließlich von den Polizeikräften gestoppt werden. Es folgte ein taktischer Zugriff der Beamten. Der Lenker wollte allerdings sein Fahrzeug nicht verlassen, schloss sich im Wageninneren ein und klammerte sich ans Lenkrad. Daher mussten die Polizisten die Seitenscheibe einschlagen, wobei auch der Verdächtige verletzt wurde. Er wurde schließlich unter massivem Widerstand festgenommen und ins Polizeianhaltezentrum Linz eingeliefert. Die beiden verletzten Polizisten wurden ebenfalls in Krankenhäusern in Linz ambulant behandelt.

Hausdurchsuchung angeordnet
Warum sich der Mann, der laut Polizei „streng religiöse Kleidung trug“, der Anhaltung auf derart gefährliche Weise entziehen wollte, ist noch nicht bekannt. Wegen der unklaren Motivlage wurde eine Hausdurchsuchung angeordnet. Der Mann soll sich in den vergangenen vier Jahren in Saudi-Arabien aufgehalten haben, um Religion zu studieren. Weitere umfangreiche Ermittlungen unter Einbeziehung des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung laufen.

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Diese brutale Attacke auf einen Polizisten zeigt den mangelnden Respekt und die Ablehnung von Grundwerten unserer Gesellschaft.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP)

Für Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) zeigt „diese brutale Attacke auf einen Polizisten den mangelnden Respekt und die Ablehnung von Grundwerten unserer Gesellschaft“. Extremismus - egal ob religiös oder politisch motiviert - „ist Gift für unser friedliches Zusammenleben“. Nehammer ordnete zudem für die nächsten Wochen - nach dem Vorbild der erfolgreichen Schwerpunktaktionen in Wien-Favoriten - „ähnliche Maßnahmen in enger Abstimmung zwischen den Landeskriminalämtern und dem Verfassungsschutz an“.

Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) stieß in dasselbe Horn und stellte klar, dass man gewalttätige Angriffe auf die Polizei nicht hinnehmen dürfe. „Der aktuelle Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass wir in Österreich konsequent gegen jegliche Formen von Extremismus und Radikalisierung vorgehen.“

Friedrich Schneeberger
Friedrich Schneeberger
Sandra Ramsauer
Sandra Ramsauer
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Sonntag, 01. August 2021
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