30.05.2021 22:05 |

French Open 2021

Erschreckende Thiem-Pleite gegen Nobody Andujar

Erschreckend und enttäuschend - Dominic Thiem ist am Sonntag sensationell gleich in der 1. Runde der mit 34,37 Millionen Euro dotierten French Open ausgeschieden! Der Weltranglisten-4. aus Lichtenwörth vergab gegen den Spanier Pablo Andujar eine 2:0-Satzführung und musste sich der 35-jährigen Nummer 68 im ATP-Ranking nach 4:28 Stunden mit 6:4, 7:5, 3:6, 4:6, 4:6 geschlagen geben. Für den in einer Krise befindlichen US-Open-Sieger war es die 1. Erstrunden-Niederlage in Roland Garros beim 8. Antreten ...

„Es war heute, wie auch in Lyon, einfach alles nicht gut genug. Es haben in allen Teilen von meinem Spiel einige Prozent gefehlt. Vorhand Katastrophe, Rückhand Katastrophe, alles verkrampft, nicht locker genug. 1. Aufschlag zu verkrampft, somit fehlt das Percentage, und es fehlen ein paar km/h“, analysierte Thiem. Generell habe er viel zu defensiv gespielt. „Ich bin da in richtig schlechte Muster zurückgefallen heute. Das ist natürlich schwer zu verstehen.“ Zumal er seit einiger Zeit wieder sehr gut trainiert und auch wieder normal gespielt habe.

Im internationalen Teil der Video-Pressekonferenz hatte Thiem gemeint, dass er an diesem Tag nicht sein wirkliches Selbst habe zeigen können. „Das war nicht die Version von mir, die imstande ist, um große Titel zu spielen“, sagte Thiem. Damit setzt sich für Thiem, der sich im vergangenen September in New York erstmals zum Grand-Slam-Champion gekürt hatte, eine durchwachsene Saison fort. Der 27-jährige Niederösterreicher war als Vorjahresfinalist bei den Australian Open schon im Achtelfinale ausgeschieden und ohne Turniersieg sowie nur einer 9:7-Siegbilanz nach Paris gekommen. Wie es nun mit Thiem weitergeht, weiß er selbst noch nicht. „Ich habe noch keine Ahnung, muss überlegen wegen der Rasen-Saison. Dann werde ich entscheiden, ob ich die vielleicht früher angehe. Jetzt muss ich mal kurz die Niederlage verdauen.“

Seit dem Triumph bei den US Open am 13. September 2020 läuft es für Thiem nicht mehr richtig rund. Auch anderen Tennis-Größen in der Vergangenheit wie etwa Pete Sampras oder Mats Wilander war es nach großen Erfolgen so gegangen. Das große Ziel erreicht, folgte ein Durchhänger. „Ich glaube, dass Novak (Djokovic) auf einem anderen Level nach seinem Sieg hier 2016 auch Schwierigkeiten hatte. Es ist großartig, so ein großes Ziel zu erreichen, aber gleichzeitig ist danach etwas anders. Es ist ein großer Lernprozess. Trotz der Niederlage, die sehr wehtut, hoffe ich, dass ich stärker als vorher zurückkommen kann“, hofft Thiem.

Für Sensationsmann Andujar, der zuletzt schon mit einem Sieg über Roger Federer (allerdings nach dessen langer Pause) in Genf überrascht hatte, war es ein Jubeltag. „Ich bin am meisten überrascht. Ich bin 35 und habe das nicht erwartet, dass ich so ein Match hier spiele. Es ist eigentlich ein Schock, dass ich hier gewonnen habe“, sagte der Spanier noch auf dem Court. Thiem hatte zuvor einen guten Start erwischt. Er nahm dem Spanier gleich im Auftakt-Game den Aufschlag ab. Der 1. Satz hätte früher vorbei sein können, wenn Thiem bei 3:1 eine der fünf Möglichkeiten zum Doppelbreak genutzt hätte. Er selbst blieb danach beim Service ungefährdet und verwertete den 1. Satzball nach 56 Minuten zum 6:4.

Der 2. Durchgang verlief zäher. Zunächst wehrte Thiem im 2. Game drei Breakbälle ab, ehe er selbst zum 2:1 breakte. Der 17-fache ATP-Turniersieger verlor aber postwendend erstmals seinen Aufschlag. Thiem gelangen bei 3:3 in einem von vielen langen Grundlinien-Duellen geprägten Match zwei Zu-Null-Games in Folge zum 5:3. Doch Andujar gelang das Rebreak zum 5:5, ehe er selbst wieder den Aufschlag ohne Punktgewinn zum 5:6 abgab. Thiem nutzte dann den 2. Satzball zur 2:0-Satzführung nach 1:57 Stunden.

Im 3. Durchgang ging es bis zum 4:3 für Andujar ohne Service-Verlust, dann musste Thiem ein schwaches Service-Game zu null zum 3:5 abgeben - die Partie kippte. Nach einer Rebreak-Chance Thiems nutzte der Spanier dann seinen 1. Satzball zum 6:3. Im 4. Satz vergab der dreifache Major-Finalist zwei Breakbälle zum 2:0. Nach fast drei Stunden gelang es dann Andujar, Thiem den Aufschlag gar zu null zum 2:1 abzunehmen. Nach einem langen 5. Game musste Thiem erneut das Service zum 1:4 abgeben, Andujar nahm Kurs auf den 5. Satz. In der Folge hatte Thiem bei 4:5 noch eine Rebreak-Chance zum 5:5, doch Andujar nutzte seinen 2. Satzball. Nach 3.40 Stunden musste das Match in einen 5. Satz gehen. Thiem gelang nach einem Service-Verlust zwar sofort das Rebreak zum 1:1.

Man hatte kurz den Eindruck, als würde Thiem nun einen Gang zulegen können. Bei 2:1 hatte Thiem eine Breakchance zum 3:1. „Ich habe in diesen Momenten aber einfach nicht gut genug gespielt“, so Thiem. Zum 2:3 musste er neuerlich den Aufschlag abgeben. Andujar erhöhte zu null auf 4:2. Danach war der Außenseiter nicht mehr zu knacken, er verwertete seinen 1. Matchball zur 1. großen Überraschung des Turniers.

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