„Krone“-Interview

Matthäus: „Ich würde Chelsea den CL-Titel gönnen“

Lothar Matthäus favorisiert im samstägigen Finale der Champions League (21 Uhr, live im sportkrone.at-Ticker) die Londoner gegen Manchester City. Mit der „Krone“ sprach die Kicker-Legende über die Ausgangslage und seine fehlende Trophäe.

„Krone“: Pep Guardiola schaffte es erstmals seit 2011 und mit City im fünften Anlauf ins Finale - was hat er heuer besser gemacht?
Lothar Matthäus: Er hatte in den letzten Jahren genauso den Erfolg wie in dieser Saison. In der Champions League kommen jedes Jahr acht bis zehn Teams als Sieger in Frage, da entscheiden Nuancen. Es ist nicht nur Guardiola, sondern auch seine qualitiativ hochwertige Mannschaft. Pep kann wie auch Thomas Tuchel von der Bank nachlegen - das zeichnet Teams, die auf vielen Hochzeiten tanzen, aus.

City hatten viele als Finalist erwartet - mit Chelsea war lange Zeit nicht zu rechnen.
Ja, das kam überraschend. Unter Tuchel sind wieder Disziplin und Zusammenhalt eingekehrt, die Spieler glauben an den Trainer. Das war davor nicht der Fall. Es erinnert mich an Flick und die Bayern: Da kommt ein neuer Coach und auf einmal funktioniert es. Was Chelsea seit Ende Jänner zeigt, ist beeindruckend.

Wer werden die Schlüsselspieler sein, die dieses Finale entscheiden?
Das Schöne ist, dass bei beiden Teams nicht ein Einzelner herausragt, wie bei Barcelona Messi oder bei Bayern Lewandowski. Natürlich ist de Bruyne bei City ein Unterschiedspieler, hat Chelsea wichtige Spieler wie Kante in den Reihen, die zuletzt Enormes geleistet haben. Doch speziell nach einer langen Saison kommt es auf die Team-Leistung an. Gepaart mit Mut und Leidenschaft.

Chelsea hat unter Tuchel zuletzt beide Duelle gegen City gewonnen. Ein kleiner Vorteil?
Es kann ein Vorteil sein, muss es aber nicht. Denn ich weiß, wie ein Spieler tickt - er denkt nicht daran, was vor drei oder fünf Wochen war.

Angesichts ihrer umfangreichen Final-Erfahrung als Spieler: Worauf kommt es in so einem Endspiel an?
Dass man die richtige Balance zwischen Lockerheit und Anspannung findet. Nervosität wäre falsch, Angst ebenso. Man soll sich auf so ein Spiel freuen, es genießen. Was einfach gesagt ist, denn die ganze Welt schaut zu. Ganz abschalten kannst du in Zeiten von Social Media nicht - man soll es auch nicht.

Sie haben in ihrer Karriere fast alles gewonnen - außer die Champions League. Wie sehr fehlt Ihnen diese Trophäe?
Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, sie fehlt mir nicht. Meine Karriere wird dadurch aber nicht geschmälert, mein Leben wäre nicht anders verlaufen. Es waren mit den Bayern 1987 in Wien gegen Porto und 1999 in Barcelona gegen Manchester United zwei denkwürdige Endspiele - leider mit dem falschen Ausgang.

Wie lautet ihr Tipp für das samstägige Finale?
Ich sehe Chelsea als leichten Favoriten, der mit einem Tor Vorsprung gewinnen wird. Weil ich von ihrer Offensivstärke angetan bin. Ich würde es den Blues gönnen, da sie auch einen deutschen Trainer haben.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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