30.05.2021 08:00 |

„Krone“-Kolumne

Wie viele Fetische gibt es?

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal zur sexuellen Begeisterung für Objekte.

Jugendliche interessieren sich manchmal für spezielle sexuelle Vorlieben und haben dazu Fragen, die nicht so einfach zu beantworten sind - nicht zuletzt aus Gründen des Jugendschutzes. „Wie viele Fetische gibt es?“, haben mich Jugendliche einmal an einer Schule gefragt. Fetische polarisieren - weil man ihren Reiz letztlich nur nachempfinden kann, wenn man ihn teilt. Das führt auch in Partnerschaften von Erwachsenen mitunter zu Irritationen.

Ein Fetisch ist prinzipiell eine Form der sexuellen Erregung an Gegenständen. Fetischisierte Objekte wie Schuhe, Strümpfe, Unterwäsche oder bestimmte Materialien wie Leder oder Latex werden dabei als sexuell anregend erlebt. Sie befeuern die Fantasie und verstärken sexuelle Erregung. Im Prinzip kann jeder Gegenstand zum Fetisch werden. Manche sexuellen Objekte wie Uniformen, Windeln oder Fell beziehen ihre erotische Energie allerdings eher aus Rollenspielen. Nicht selten erregt sich die Erregung dabei an gesellschaftlichen Tabus.

Rund um die Fetisch-Kultur haben sich eigene soziale Netzwerke entwickelt, auf die auch Jugendliche bei ihrer Suche nach Informationen stoßen. Die Grenze der Fetisch-Szene zu sexuellen Subkulturen wie bspw. BDSM (erotische Fixierung, Schmerz und Dominanz) ist dabei fließend. Im Gegensatz zu riesigen Plattformen wie OnlyFans, die Nacktfotos von allen und jedem in Geld verwandeln, sind Fetisch-Plattformen für Menschen mit ungewöhnlichen sexuellen Vorlieben vergleichsweise kleine Netzwerke. Internationale Studien zeigen allerdings, dass jeder Fünfte spezielle sexuelle Vorlieben hat.

Wie viele Fetische es gibt, weiß man letztlich nicht genau. Auf jeden Fall aber viele verschiedene. Nicht beantwortet ist damit jedoch die Verunsicherung der Jugendlichen, die in der Frage nach der Fetisch-Anzahl zwar nicht ausgesprochen ist, aber mitschwingt. Psychologisch wird ein Fetisch nur dann als Problem gesehen, wenn jemand darunter leidet. Problematisch wird es aber auch, wenn bestimmte Körper „fetischisiert“ werden - also wenn etwa behinderte Menschen oder Menschen, die asiatisch aussehen, zum sexuellen Objekt gemacht werden.

Warum ist das relevant für Jugendliche, die selbst meist noch keine oder kaum reale sexuelle Erfahrungen mit einem Partner gemacht haben? Wer hier Pornos als Ideengeber vermutet, liegt sicher richtig. Manche Jugendliche entdecken aber auch früh bei sich ungewöhnliche sexuelle Vorlieben und brauchen dann fachlich fundiertes Wissen (statt weiteren pornografischen Videos). Das zu vermitteln ist Aufgabe sexueller Bildung.

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Barbara Rothmüller
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