22.05.2021 13:42 |

Grazer Schauspielhaus:

Chaplins „Der große Diktator“ auf der Bühne

Charlie Chaplins berühmter Film „Der große Diktator“, in dem er bereits 1940 das NS-Regime auf die Schaufel nimmt, diente Regisseurin Clara Weyde als Vorbild für die gleichnamige Bühnenproduktion am Grazer Schauspielhaus. In der Titelrolle zieht Julia Gräfner (nunmehr als Gast) alle Register.

Clara Weyde hat der Filmhandlung einen Rahmen verpasst, in dem zwei abgehalfterte Chaplin-Imitatoren, darum streiten, wer von ihnen der Bessere war. Flugs werden sie in die Filmhandlung katapultiert (das kluge Bühnenbild von Anna Bergmann und die Kostüme von Clemens Leander machen das möglich) und teilen nach Talent die Rollen des Diktators Hynkel und des jüdischen Friseurs auf.

Wer überzeugt als Diktator?
Julia Gräfner ist der überzeugendere Diktator, lässt sich schnell zu immer drastischeren Maßnahmen verleiten, vor allem Propaganda-Minister Garbitsch (dämonisch: Nico Link) zieht gekonnt die Fäden. Er lässt den Rest der Truppe - Clemens Maria Riegler als Kriegsminister, Sarah Sophia Meyer als Sekretärin sowie Fredrik Jan Hofmann und Oliver Chomik als SS-Männer - wie Knallchargen aussehen. Auch Diktator Napoloni (herrlich übertrieben: Mario Fuchs) und eine an Leni Riefenstahl erinnernde Evamaria Salcher sind Teile dieser erschreckenden Lächerlichkeit.

Ewiggestrige Zurufe
Alexej Lochmann wird als rührend hilfloser zweiter Imitator zum Friseur, der sich in die schöne Hannah (Lisa Birke Balzer) verliebt und mit ihr dem Wahnsinn entkommen will. Seine Warnungen bleiben ebenso ungehört, wie sein finaler Appell an die Menschlichkeit, der permanent unterbrochen wird von Zurufen Ewiggestriger, dass nicht alles schlecht war, Muttertag, Autobahnen, Beschäftigungspolitik und endlich wieder Stolz auf die Heimat doch auch etwas zählen.

Stoff zum Nachdenken
Dass man der NS-Dämonie mit Klamauk nicht wirklich beikommen kann, hat schon Chaplin selbst erkannt. Auch Clara Weyde geht es nicht anders, und so wirkt die Groteske manchmal etwas schaumgebremst. Allerdings gibt sie viel zum Nachdenken mit nach Hause. Nicht das Schlechteste. Alle Informationen und Karten gibt es hier.

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