11.05.2021 06:00 |

„Krone“-Kommentar

Grenzwertig

„Noch hat Gernot Blümel Zeit zurückzutreten, ohne dass es aussieht, als wäre das ZDF-Magazin ,Royale‘ schuld daran.“ So großmäulig kündigte der deutsche Brachial-Komiker Jan Böhmermann auf Twitter seine letzte Sendung vor einer fast vier Monate langen Sommerpause an. Und erreichte dann mit der Satire über „Sebastian Kurz und seine türkise Familie“ besonders beim jungen Publikum einen grandiosen Marktanteil. Auf YouTube knackte er sogar die Ein-Millionen-Grenze. „Atombombe teasern, Hungersnot bieten“ - so lästerte mein Kollege Claus Pándi auf Twitter über „den Kim Jong-un der Satire“.

Eine Blümel-Bombe ist natürlich nicht geplatzt, und abgesehen davon blieb einem bei der Sendung das Lachen im Hals stecken. Über weite Strecken war das, was Böhmermann seinem „liebsten Nachbarland“ da vor Augen führte, geschmacklos. Vor allem sein Auftritt in türkiser Diktatorenuniform. Und die ewigen Anspielungen auf das Alter von Sebastian Kurz. „Euer kleiner lieber Penatenkanzler“ ist genauso grenzwertig, wie wenn eine heimische Politik-Journalistin den Regierungschef in einer deutschen Doku als „Schmuddelkind Europas“ bezeichnet.

Beklemmend war aber die Dichte, in der Böhmermann aufzählte, was in Österreich alles möglich geworden ist: Behinderung des Ibiza-Untersuchungsausschusses, Attacken auf die Justiz, Ignoranz des Rechtsstaates. Eigentlich nichts Neues. Aber es zeigt, wie weit wir gekommen sind.

Conny Bischofberger
Conny Bischofberger
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