215 Punkte vorne

Jetzt ist Kostelic der große Favorit für den Gesamtweltcup

Sport
17.01.2011 12:54
Unschlagbar ist Ivica Kostelic im Slalom nicht, das hat der Bewerb in Wengen am Sonntag gezeigt. Der Kroate (im Bild mit seinem Vater Ante) hat mit sehr guter Leistung gewonnen, weil Marcel Hirscher mit ebensolcher einen Riesenpatzer hatte. Kostelic fährt derzeit aber in der Form seines Lebens und ist nicht nur für die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen ein heißer Medaillenkandidat, sondern mittlerweile auch für den Sieg im Gesamtweltcup.

Hirscher, der im Slalom von Wengen Zweiter geworden war, streut Kostelic Rosen: "Du musst eine ordentlich dicke Haut haben und einen brutalen Willen, weil das Ganze ist schon sehr, sehr anstrengend." Gelohnt hat sich Wengen für den Kroaten auf jeden Fall, denn für die Siege in der Super-Kombination und im Slalom sowie für den zwölften Platz in der Abfahrt gab's nicht nur 222 Punkte, sondern auch Anerkennung von den Kontrahenten.

Mental dürfe man so ein Programm nicht unterschätzen, meinte Hirscher weiter, speziell als Slalomfahrer. "Ich glaube nicht, dass Ivica schon so viel Routine hat, dass ihn so eine Abfahrt kalt lässt. Momentan ist er der Gefährlichste für den Gesamtweltcup und wenn er das durchziehen kann und sein Programm durchhält, ist er sicherlich schwer zu schlagen." Kostelic führt seit dem Sieg im Adelboden-Slalom am 9. Jänner im Gesamtweltcup und hält nun bei 726 Punkten. Es folgen der Norweger Aksel Lund Svindal (511), der Schweizer Silvan Zurbriggen (469) sowie Benjamin Raich (434).

Kostelic für Raich nun Weltcup-Favorit
Auch für Raich ist Kostelic nun der Hauptanwärter auf die große Kugel. Der Pitztaler, der in Wengen zweimal Fünfter wurde (Super-Kombi und Slalom) und 90 Zähler holte, hat sicherlich noch seine Chancen, die er aber auch reichlich nützen wird müssen, wenn er das Rennen offen halten will. Der 31-jährige Kostelic denkt derweil möglichst wenig an den Gesamtweltcup. Sagt er zumindest. "Ich bin voran, weil ich mich nicht auf den Gesamtweltcup konzentriert habe. Ich denke nur von Rennen zu Rennen."

Wengen, gesteht er, habe ihn viel Kraft gekostet. "Es ist schwer, so viele Tage auf einem Top-Level zu sein. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Das ist sicher eines der besten Wochenenden meiner Karriere, Wengen ist ein wichtiger Platz für mich". Für den Bruder der früheren Weltklasseläuferin Janica Kostelic war es der insgesamt 15. Weltcup-Sieg.

Kostelic: "Österreich ist meine zweite Heimat"
Kostelic freut sich nun auf eine kleine Pause. "Im Sommer weißt du nicht, was es bedeutet, wenn du so viele Tage frei hast. Und im Jänner schätzt du dann jede Stunde." Und er freut sich nach den Rennen in der Schweiz - 42.000 Fans kamen zu den zwei Adelboden-Bewerben, 62.000 bei den drei in Wengen - nun auf jene in Österreich vor ebenfalls sicherlich gewaltiger Kulisse. "Ich habe viele Freunde und Fans in Österreich, es ist meine zweite Heimat, ich verbringe dort so viel Zeit."

Kostelic und Hirscher verbindet nicht nur ihr Kopfsponsor (Raiffeisen), unter den gelben Helmen verbergen sich auch ähnliche Gedankengänge in Bezug auf die Pistenpräparierung. "So eine Piste ist cooler als eine Eispiste, wo du im Ziel abschwingst und nicht weißt, wieso du eine Sekunde hinten bist. Dann musst du eine Stunde Video analysieren, damit du das herausfindest", lautet Hirschers Meinung. Und für die Zuschauer daheim auf der Couch sei es auch wesentlich einfacher festzustellen, was der Unterschied zwischen Weltklasse und denen sei, die sich schwerer tun.

Plädoyer für Rückkehr zur Basis
"Zur Basis zurückkehren", dafür plädiert Kostelic. "Zu Stenmark-Zeiten gab es keine spezielle  Präparierung, da fuhren alle auf der Piste, wie sie war, auf Schlägen, Wellen. Auf natürlichem Untergrund, dem Schnee, und nicht auf Eis." Dabei würden sich die vielen Hobbysportler auch eher wiedererkennen, weil sie auch auf unbehandelten Pisten Ski fahren. "Wir hingegen fahren auf Eis, Eis Eis. Und da wissen die Leute überhaupt nicht, worüber wir reden." Verhältnisse wie sie sich in Wengen den Rennläufern präsentierten, seien Herausforderungen, aber sie seien schließlich da, um diese Probleme zu lösen.

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