Sie sind am Adelboden-Wochenende sowohl im Riesentorlauf - trotz des vierten Ranges -, als auch im Slalom aus der Startgruppe der Top-Sieben gefallen. Eine bittere Erkenntnis?
Raich: "Da ist viel zusammengekommen, im Riesentorlauf war ich einmal nicht am Start, einmal bin ich ausgeschieden. Ich bin zwei Rennen ohne Punkt geblieben, da muss man das einfach akzeptieren. Natürlich bin ich in den letzten sechs, sieben Jahren immer unter den ersten Sieben gewesen. Aber es ist kein Jahr wie das andere. Ich muss mit der Situation umgehen. Natürlich habe ich mir am Anfang auch gesagt: 'Sag einmal, gibt es das?' Aber wenn man überlegt, wie es dazu kommt, kommt man gleich einmal zum Schluss und dann ist es auch erledigt. Ich kann auch mit Nummer zehn ganz vorne mitmischen."
Sie fahren schon so lange auf einem Top-Level, sind aber seit 13 Monaten ohne Sieg. Wie beurteilen Sie den Saisonverlauf?
Raich: "Ich bin sicher auch ein bisserl unter meinem Wert geschlagen worden bis jetzt. Ich denke schon, dass mehr drinnen gewesen wäre. Die Form hat über die ganze Zeit gestimmt, aber leider ist da und dort was dazwischengekommen. In Beaver Creek habe ich wegen Rückenproblemen absagen müssen, in Alta Badia bin ich ausgefallen, in Zagreb war es die Magenverstimmung. Das sind natürlich alles so Sachen, die hat man nicht so hundertprozentig im Griff. Aber ich denke, dass sich das ändern wird und ich dann zeigen kann, was ich drauf habe."
Wenn es mal nicht so läuft, müssen Sie da aufpassen, dass Sie es nicht erzwingen wollen?
Raich: "Man muss immer aufpassen, dass man das fährt, was man kann. Wenn ich am Start stehe, dann weiß ich schon, was ich zu tun habe. Solche Phasen hat es immer gegeben in meiner Karriere. Das Geheimnis, dass man da rauskommt, dass man an sich glaubt. Dass man es nicht mit der Brechstange versucht. Das werde ich auch machen in den nächsten Rennen und ich bin auch überzeugt, dass es wieder passen wird. Jeder hat seine Ziele. Wenn man die nicht erreicht, muss man schauen, dass man den Lauf in die Richtung verändert, dass es wieder passt."
Nach 15 Rennen führt der Kroate Ivica Kostelic mit 504 Punkten in der Weltcup-Gesamtwertung. Die Spitze liegt eng zusammen, Sie haben als Sechster 160 Zähler Rückstand und sind noch voll im Rennen um ihre zweite große Kugel. Wie sehen Sie die Situation?
Raich: "Ich muss sicher extrem stark fahren, sonst wird es schwer. Normalerweise ist Kostelic ein sehr konstanter Fahrer, jetzt kommen auch seine Rennen. Die Slaloms, wo er extrem stark ist, da wird er sicher Punkte machen. Aber natürlich habe ich auch meine Möglichkeiten. Die Saison ist lang. Ich werde nicht auf andere schauen, sondern muss mich auf mich konzentrieren und schauen, dass ich gut vorbereitet bin. Und wenn ich dann meine Möglichkeiten habe, zuschlagen.
In diesem Winter gab es schon elf verschiedene Sieger. Doch den Großen der vergangenen Jahre fehlten in dieser Saison noch die ersten Plätze. Als Erster hat der Norweger Aksel Svindal im Adelboden-Riesentorlauf einen eingefahren…
Raich: … was zeigt uns das? Dass es eine sehr große Dichte gibt. Deshalb gibt es sehr viele verschiedene Sieger. Es muss alles perfekt zusammenpassen, sonst hast du keine Chance. Und ich hatte Kostelic immer auf der Rechnung."
Im Slalom kamen Sie mit Platz zwei in Val d'Isere dem Sieg am nächsten. Beurteilen Sie bitte für uns Ihr derzeitiges Leistungsvermögen in den verschiedenen Disziplinen.
Raich: "Im Riesentorlauf war ich nach dem Rückenproblem und dem Ausfall nicht hundertprozentig sicher, aber in Adelboden hat man gesehen, dass die Form stimmt. Im Slalom hatte ich vom Anfang an auch ein sehr, sehr gutes Gefühl. Ich denke, dass ich in beiden Disziplinen sehr stark bin. In der Super-Kombi gibt es immer das Fragezeichen, wie es in der Abfahrt geht. Wenn ich da halbwegs mithalten kann, habe ich da meine Chancen. Im Super-G bin ich bis jetzt sehr gut gefahren. Zwar war ich nicht auf dem Podest, aber immer ganz gut dabei. In der Abfahrt verliere ich relativ viel Zeit. Aber in allen anderen Disziplinen kann ich vorne mitmischen und werde versuchen, meine nächsten Chance zu nützen."
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